Zum Lac du Vieux Emosson !

Ich habe gut gefrühstückt und für meine heutige Tour beinahe den Blick auf die Uhr vergessen. Etwas gestresst packe ich meine Sachen um rechtzeitig zum Bahnhof Vernayaz zu kommen und den 0851 Uhr Zug der Martigny – Châtelard Bahn zu erwischen. Wenigstens war ich noch früh genug um ausgiebig das Wandpanorama an den Gleisen zu betrachten, welches schön die Geschichte dieser Bahn darstellt, welche heute als Mont-Blanc Express bekannt ist.

Mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit fährt die Bahn die Zahnradstrecke entlang der gestrigen Route des Diligences nach Salvan hinauf. Dank Kehrtunnel sieht man auf beiden Fensterseiten etwas. Die Fahrt kostet 6 CHF und die Velotageskarte faire 5 CHF. Der Platz fürs Velo ist aber sehr begrenzt und der Morgenzug glücklicherweise noch nicht völlig überfüllt. In Finhaut auf 1223m steige ich aus. Ziel ist die 8km lange Auffahrt zur Staumauer des Lac d’Emosson. 

Die Strasse ist breit und der Sonne ausgesetzt. Ein weiterer Grund um früh unterwegs zu sein. Der Aufstieg ist legendär, spätestens seit 2016 die Tour de France ihre 17. Etappe hier beendete. Überall entlang der Strasse wird man an dieses Ereignis erinnert. Die Km Schilder mit den Steigungsprozenten fördern die Motivation: 9% zweitgrösstes Ritzel, 10% grösstes Ritzel! Ebenfalls eindrücklich ist der massive Lawinenzug in den Spitzkehren unterhalb des Bel Oiseau. Auf mehreren Hundert Meter ist sämtliche Vegetation niedergedrückt und selbst jetzt im Juli ist die Zerstörungskraft dieser Lawine spür- und sichtbar.

Zur Talseite erweitert sich der Blick auf die Mont-Blanc Kette – von der Aiguille du Tour bis zum höchsten Berg Europas. Ein riesiger Parkplatz und der Tunnel für die rechtsufrige Strasse entlang des Lac d’Emosson kündigen den Zwischenbergpreis beim Restaurant du Barrage d’Emosson (1965m) an. Ich geniesse die Aussicht und schaue kurz im Besucherzentrum der Kraftwerke vorbei. Natürlich ist hier an so einem Prachtstag die Hölle los, schliesslich ist der See per Auto erreichbar.

Hinter dem Restaurant blickt man staunend auf die Staumauer des Lac d’Emosson. Obwohl die Natur hier fantastisch ist, hat die 180m hohe, massiv gewölbte Bogenstaumauer ihre eigene technische Faszination.

Wer den Wikipedia Eintrag nicht lesen mag – hier eine Kurzversion. 1920 hat die SBB hinten im Tal den Lac de Barberine gestaut. Die alte Staumauer ist im heutigen Stausee verschwunden und nur bei Niedrigwasser sichtbar. 1974 wurde die neue Staumauer gebaut nachdem mit Frankreich Land abgetauscht wurde um die Mauer in der Schweiz zu haben. Unglaublich ist die Tatsache, dass das meiste Wasser vom Mont-Blanc Massiv auf der gegenüberliegenden Seite stammt und durchs Tal ‚tunnelt‘. 1955 wurde oberhalb der Lac du Vieux Emosson aufgestaut und dort winkt der heutige Bergpreis.

Gemütlich geht es erst dem Stausee entlang bis zum Ort, wo einer der fiesesten Aufstiege beginnt den ich kenne. Das betonierte Strässchen hat einen genialen Grip, womit das Fahren bis zur Cabane du Vieux Emosson (2187m) machbar wird. Ich will das schaffen und fahre so langsam wie irgendwie möglich um genügend Saft in den Beinen zu haben… und es gelingt! 

Als Belohnung gibt es ein kühles Getränk auf der Terrasse und ein gutes Trockenfleischplättli zu Walliser Wucherpreisen. Aber diese Aussicht will bezahlt sein. Die Hütte steht direkt unterhalb der Staumauer und psychologisch spürt man die Millionen Tonnen Wasser bei jedem Blick auf die Mauer ‚drücken‘. 😉 

Der Berg brummt hörbar… Die Gegend ist eine riesige Baustelle. In den letzten Jahren wurde hier das Mega – Pumpspeicherkraftwerk Nante de Dranse in den Berg gebaut. Ich hoffe, dass sich dieses klassische Konzept (Mit billigem Strom das Wasser hochpumpen um es für die Stromproduktion bei hohem Bedarf wieder in den unteren See zu lassen) langfristig am Markt halten kann. Das Kraftwerk (Kaverne von 30m x 50m x 200m) ist vollständig im Berg und vom Tunneleingang auf dem obigen Bild kann man wohl mit Lastwagen direkt runter nach Le Châtelard fahren!

Überall ist man noch im Baufinish. Wegen der 20m höheren Staumauer musste der Wanderweg neu aus dem Felsen gesprengt werden – die Zünderdrähte liegen noch in der Gegend rum. Ich schiebe das Bike bis auf den Aussichtspunkt oberhalb der Staumauer und geniesse die grandiose Szenerie. Ab hier geht es hinten im Tal zu den Dinosaurierspuren und den Passübergängen nach Frankreich. Ich verzichte wegen Schneefelder auf zusätzliche Abenteuer und fahre gemütlich zurück zum Lac d’Emosson.

Anstatt mit dem Auto bietet Verticalp einen Alternativaufstieg und einen Abenteuerspielplatz der Extraklasse. Per Standseilbahn geht es von Châtelard nach Les Montuires zu einem Restaurant, Alpengarten und Spielplatz. Danach den Felsen entlang mit einer stollenbahnähnlichen Panoramabahn. Und zum Schluss per Ministandseilbahn rauf zum Restaurant an der Staumauer. Ich fahre in die umgekehrte Richtung über Schotter und einen kurzen Trail bis ins Café Verticalp zu einem göttlichen Aprikosenkuchen und zurück zur Strasse.

Für die rund 600 Höhenmeter Abfahrt nach Finhaut gibt es diverse Alternativen auf Singletrails, auf die ich aber wegen ‚zu steil‘ und ‚zu technisch‘ verzichte. Wer wissen will, wie richtige Mountainbiker diese Tour fahren, lese gerne den Bericht von Rotscher und Sven & Beat. Die ganz Harten fahren bzw tragen das Bike auch gerne mal über zwei Pässe. 😉

Ich nehme auf- und abwärts die Weicheivariante und fahre mit Highspeed runter nach Finhaut und auf der Strecke von gestern auf der Route des Diligences weiter nach Vernayaz. 1883 Höhenmeter Abfahrtsrausch, nicht auf Singletrails, aber trotzdem genial.

Zurück ins Hotel und heute Dienstag hat zum Glück die Pizzeria des Dorfes geöffnet… Pizza zum Zweiten… 😉

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Statistik: 39.8 km, ca. 1123 Höhenmeter, Fahrzeit 3:37 h, ca 1883 Höhenmeter abwärts

Die Route des Diligences – Vallée du Trient !

Meine Bikeferien finden heuer in verkürzter Form während vier Tagen vor dem 1. August statt. Ziel ist die Region Vallée du Trient. Schon vor längerer Zeit faszinierte mich das Tal, welches Chamonix mit dem Wallis verbindet. Zum Auftakt will ich die Tour ‚Route des Diligences‚ befahren und stehe entsprechend früh auf, was mit einem magischen Sonnenaufgang am Lac de Gruyère belohnt wird. Meine temporäre Homebase habe ich in Vernayaz (453m) und so startet die Tour auf rassigen Trails entlang des Mont d’Ottan, gefolgt vom Aufstieg auf der Strasse von Martigny nach Gueuroz. Das GPS zickt weiterhin rum und lässt sich nur durch Abschalten der GLONASS Satelliten beruhigen (PS: Mit der Update der Firmware auf die Version 5.60 wurde das Problem nun endlich behoben!)

Wie die Anfahrt zeigt, ist das Vallée du Trient auch heute nur über abenteuerliche Strassenbauten erreichbar. Der Pont de Gueuroz überspannt die George du Trient in fast 190m Höhe – eine ingenieurtechnische Meisterleistung, sicher für die alte Brücke von 1934, aber auch die danebenliegende neue Brücke lässt sich sehen. Bevor man links ins Dorf Gueuroz (646m) abbiegt – zwingend die Brücken befahren und staunen!

Es folgt ein gemütlicher Aufstieg auf einer alten Schotterstrasse durch die südliche Flanke des Vallée du Trient. Die Route ist einsam und verläuft völlig im Wald – sehr angenehm an einem heissen Sommertag. Während ich noch über die gnädigen Steigungsprozente sinniere, folgt ab 830m der Hammer – ein sacksteiler, kurviger Anstieg hinauf zum Weiler la Crettaz (1082m). Es kostet ziemlich Überwindung und eine Portion Sturheit um nicht abzusteigen. Ein Blick auf die Karte zeigt wie abgelegen dieser Ort ist und trotzdem hat es heute Morgen erstaunlich viele Leute vor den Häusern. 

Der weitere Wegverlauf nach Planjeur zeigt den wahren Charakter der Tour. Die Schotterstrasse verwandelt sich in einen Pfad, der sich den Weg durch die steilen Felsflanken der Schlucht sucht. Immer wieder muss man absteigen und das Mountainbike schieben. Hauptproblem sind nasse Steine und Wurzeln und etwas fehlendes Selbstvertrauen. Der Weg selber ist nur an wenigen Stellen wirklich ausgesetzt aber gefühlt folgt fünf Meter neben dem Weg ein imaginärer Basejump Absprungpunkt in die George du Trient nach dem anderen. 

Weiter geht es auf einer gemütlichen Schotterstrasse, die in Richtung der Forclaz Passstrasse und auf einer Brücke von 1931 über die Trient führt. Heute ist diese Strasse der Hauptzubringer zwischen dem Wallis und Chamonix und umfährt damit das Vallée du Trient über weite Strecken. Einige Hundert Meter auf der breiten Strasse sind unvermeidlich, bis bei der Tête Noir das nächste historische Wahrzeichen folgt. 

An diesem exponierten Punkt mit weitem Blick ins Tal stand früher das Hotel ‚Tête Noire‘, im 19. Jahrhundert europaweit bekannt, 1964 geschlossen und 1974 vollständig abgebrannt. Aus der Touristenhochzeit stammt ebenfalls der Naturrundweg hinunter in die Gorges Mystérieuses‚. Ich verzichte auf den Ausflug zu Fuss und nehme die alte Passtrasse durch einen eindrücklichen Felstunnel von 1827. Dabei wird der Wanderweg zunehmend abenteuerlicher und ich muss öfters absteigen.

Den Abschnitt vom Pt 1102 bis Barmarosse / Kraftwerk Trient taufe ich im Kopf ‚Goblinweg‘. Der Pfad windet sich verschlungen durch moosbedeckte Felsen und an ein Fahren ist nicht zu denken. Obwohl kurz, ist der Abschnitt echt mühsam und nicht zu empfehlen – die Eisentreppen zum Schluss bestätigen diese Einschätzung. Was sagt das Ride Magazin: ‚Gut tauglich für e-Mountainbikes‘. Ich lache und lache und…! Deshalb mein Tipp: Auf der Strasse runter nach Le Châtelard fahren. 

Le Châtelard (1121m) ist zur Zeit geprägt von den Bauarbeiten für das neue Kraftwerk am Lac Emosson. Die zahlreichen alten Baracken des früheren Kraftwerkes ‚Nant de Dranse‘ sind bereits abgebaut und wurden mit den Containerstapel für die Bauarbeiter ersetzt. Das Dorf ist dominiert durch den Ausgleichstausee, welcher auf der Karte schöner ist als in der Realität. Interessantes Detail: Die Landesgrenze zu Frankreich verläuft wenige Meter hinter dem Dorf und nicht wie man vermuten könnte auf der Wasserscheide des Col des Montets (1461m). 

Ich bleibe heute auf Schweizer Boden und fahre das steile Strässchen in Richtung Giétroz hinauf. In einer Serpentine überholt mich ein anderer Mountainbiker – und verhinderte, dass ich an dieser steilen Stelle vom Rad ging. Eine kurze Pause gibt es bei der Unterquerung der Standseilbahn über die ich im nächsten Beitrag berichten werde. Beim Chalet Echelle ist das Gröbste geschafft und etwas später erreiche ich auf 1325m den höchsten Punkt der Tour.

Nach einigen angenehmen Kilometer auf dem schönen Strässchen in der Talflanke treffe ich in Finhaut ein. Helene, die Wirtin des Restaurant Beau-Soleil serviert mir ein Mittagessen. Das Restaurant ist ein echtes Unikum und ich geniesse die Sonne auf der Terrasse, das Cordon Bleu und die tolle Rösti. Die Wirtin gibt mir Lesestoff über das Dorf und die Region und ich lerne einige Kuriositäten, wie beispielsweise die Tatsache, dass hier das Trinkwasser so radioaktiv aus dem Fels kommt wie sonst nirgends in der Schweiz. Das war früher das Alleinstellungsmerkmal für Gesundheitskuren in Finhaut. 😉

Gestärkt schaffe ich die letzten Höhenmeter bis ins Oberdorf und zum Einstieg in die historische Route des Diligences. Der Postkutschenweg führt nun auf Schotter und in vielen Kehren hinunter nach Le Trétien (1021m). Immer im Blick das Trassee der Martigny – Châtelard Bahn, deren Geleise sich ebenfalls durch die steile Talflanke kämpfen. Man sieht dem Weg die historische Wichtigkeit an. Die Steigung ist sorgfältig austariert und eindrückliche Trockenstützmauern und Randsteine säumen den Weg. Besonders Spass machen die Spitzkehren bei La Cha.

Nach Trétien ist der Weg wieder asphaltiert und führt durch die Gorges du Trièges, ebenfalls einen kurzen Halt wert. Weiter durch eine Steinschlaggalerie zurück in die Menschenmassen. Der Zoo und das Felsenschwimmbad Les Marécottes sind an diesem warmen Sommertag ein Ausflugsmagnet für Familien. Ich vermeide die Hauptstrasse und fahre auf Nebenwegen hinunter nach Salvan (929m), wo es neben der Kirche nochmals ein kühles Cola gibt.

Das Dessert folgt in Form der Abfahrt auf der Route de Diligence, die sich auf 37 beschrifteten Spitzkehren runter ins Tal nach Vernayaz windet. Was bereits auf der Karte eindrücklich aussieht, ist in der Realität noch viel interessanter. Was für ein Bauwerk aus dem Jahre 1867! Nicht minder spannend die Zahnradbahn, welche dank eines Kehrtunnels ebenfalls die Höhe überwindet. 1906 wurde die Bahnlinie gebaut und machte damit den Postkutschenweg de facto überflüssig. Schön hat der Weg bis heute überdauert. Die Route de Diligence ist sowohl ein bekannter Wanderweg, wie auch eine Etappe der Via Cook und liegt damit am Urspung der Schweizer Tourismusgeschichte.

Dieser Fotostopp mit einem wunderbaren Ausblick hinunter bis Saint-Maurice darf man trotz dem Abfahrtskurvenrausch nicht verpassen. Gelegenheit um die Tour in Gedanken Revue passieren zu lassen. Beim Kraftwerk Vernayaz ist der Spass zu Ende. Der Talboden, auf dem die Aprikosenplantagen ihren süsslichen Duft verströmen, hat mich wieder

Wer noch Lust auf mehr hat, biegt links auf den spassigen Waldtrail zum Wasserfall Pissevache ein. Im Wald vor dem Wasserfall finden sich die Ruinen eines alten Holzverarbeitungsbetriebs, der von der Wasserkraft profitierte. Eigentlich wollte ich aus Nostalgie im Hotel La Cascade übernachten, in welchem ich schon vor Jahrzehnten in den Vor-Mountainbike-Zeiten war und damals die ganze Umgebung zu Fuss erkundet hatte. Heute ist das Hotel leider geschlossen, wie übrigens auch der daneben liegende Campingplatz.

Hoffentlich ist das nicht für immer so, denn der Wasserfall ist weiterhin eine Augenweide und man kann sich trotz alter Bilder kaum vorstellen, wie früher die Salanfe ins Tal schoss, bevor das Wasser für den Stausee und die Stromproduktion abgezweigt wurde.

Müde und zufrieden fahre ich ins Hotel. Nach dem Duschen muss ich feststellen, dass es mitten in den Sommerferien an einem Montag in Vernayaz nirgends etwas zu essen gibt! Also ab in den Zug und auf eine gute Pizza nach Martigny.

Fazit: Wer den Beitrag bis hier unten gelesen hat, begreift wie spannend und abwechslungsreich diese Tour ist. Es gibt einen uneingeschränkten Daumen hoch!

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Statistik: 41.4 km, ca. 1375 Höhenmeter, Fahrzeit 4:47 h

Terre Valserine – La Voie du Tram !

Einige Touren brauchen etwas länger, bis sie unter die Räder kommen. So geschehen mit der Tour ‚La Voie du Tram‚ in der Region ‚Terre Valserine‚. Beim ersten Versuch Mitte Mai schaffte ich es nur bis zum Startparkplatz zwischen Bellegarde-sur-Valserine und Lancrans, als die ersten Regentropfen fielen. Alles wieder eingepackt und eine Autotour durchs ganze Valserine gemacht, bis La Cure – übrigens auch eine Empfehlung. Das zweite Mal hatte es ab Genf so viel Stau, dass ich noch vor Bellegarde entnervt umkehrte. Heute bei 34° C und schönem Wetter hat es nun geklappt.

Die Strecke führt alles auf der eingestellten Tramlinie von Bellegarde-sur-Valserine nach Chézery-Forens. Besonders die ersten Kilometer bis zur Brücke sind auf Schotter und ein Genuss. Danach geht es leider auf Asphalt weiter, die wilde Juraregion entschädigt für den harten Untergrund. Auf der Strecke sind 13 Schilder aufgestellt, die im Detail die Geschichte des Trams nacherzählen, faszinierend. Zusätzlich stehen am Wegrand 10 Northshore-Elemente, von leicht bis schwer, eine tolle Idee, welche die leichte Steigung mit dem Mountainbike sehr kurzweilig macht.

Das Tram fuhr von 1912 bis 1937 und es ist nicht wirklich erstaunlich, dass sich die Linie ins Nirgendwo finanziell nicht lohnte. Aber zur Jahrhundertwende baute man ja wie verrückt überall Eisenbahnen hin. Wer mehr wissen will zur Geschichte des Trams findet auf Wikipedia und hier weitere Infos.

In Confort erinnert ein Restaurant in einem Eisenbahnwagen ebenfalls an das Tram. Gleich danach sehe ich an einem Baum erneut einen Aushang bezüglich zweier vermisster Hunde. Wow, die Langhaardackel sind echte Ausreisser, wenn sie von hier über die höchste Jurakette gelangt sind! Mehr dazu in diesem Beitrag. Nun geht es die steile Bergflanke runter in die Schlucht und Mann staunt über die Idee erstens hier ein Tram zu bauen und zweitens noch die Valserine zu überwinden.

Höhepunkt ist definitiv der Tramviadukt über die Schlucht, der Pont du Moulin des Pierres. Zu ihrer Zeit war das Bauwerk mit 65m Spannweite und über 80m Höhe eine der grössten Mauersteinbrücken der Welt. Die Bilder der Holzkonstruktion für den Bau sind sehenswert. 1944 wurde die Brücke durch die Résistance gesprengt und 1954 nach dem Krieg als Stahlbetonbrücke wieder aufgebaut. Wenn die Brücke der Star ist, ist die Schlucht der Valserine, mit ihren steilen und tief abfallenden weissen Kalksteinwänden im grünen Waldmeer, die grandiose Naturbühne.

Ab hier wurde das Tramtrassee zu einer breiten Strasse, der D14, ausgebaut. Kurz profitiere ich noch vom schattigen Wald, bevor ich in der brütenden Abendsonne nach Montanges hinauffahren muss. Der flache Steigungswinkel und die langgezogenen Kurven lassen den Ursprung der Strassenführung deutlich erkennen. Montanges ist eines der vielen Villages Fleuris in Frankreich, leider nur eine Blume, die kriegt man wohl mit einigen Blumentöpfen am Dorfein- und -ausgang. Trotzdem, schön die Blumen!

Das Dorf Champfromier glänzt mit einer alten Brücke, die mich ein wenig an die berühmte Brücke von Mostar erinnert. Der Flurname ‚Le Pont d’Enfer‘ weist zusätzlich auf uns Schweizern nicht unbekannte Brückenlegenden hin – obwohl es sich hier sicher um eine andere Deutung handelt. Alles zu Champfromier kann man hier nachlesen. Nach dem Dorf geht es nochmals rauf und ich kämpfe wirklich sehr mit der Hitze und den unverhofften Höhenmetern. Da kommt der kurze Abschnitt durch den dunklen, kühlen Tramtunnel wie gerufen.

Mal auf dem alten Trassee, mal auf der Strasse, fährt man hinunter nach Chézery-Fornens. Ich bin richtig ausgepumpt, so eine Tour nach einem heissen Arbeitstag ohne Mittagessen ist keine gute Idee. Zum Glück rettet mich der kalte Teller und der Liter San Pellegrino im Hotel – Restaurant du Commerce. Sowohl Bedienung wie Küche ist lokal, rustikal – sehr gut! Bis auf eine Familie, die wohl Eseltrekking macht, und mittelaltermässig im Gasthaus gegenüber die Esel unterstellt, läuft hier wenig bis nichts.

Für die Rückfahrt versuche ich zu viel Höhenmeter zu vermeiden und nehme das linke Flussufer über die D991. Die Strasse führt durch einen wunderbaren grünen und natürlichen Wald, immer steil der Fluh entlang und immer abwechslungsreich. Öfters gibt es grandiose Ausblicke über das Valserine und die geologisch sehr interessante Region rund um Bellegarde. Trotzdem bin ich froh endlich die Scheitelhöhe erreicht zu haben und ab Confort runter auf den Tramway abzubiegen,

Fazit: Auf ehemaligen Eisenbahnlinien kann man als Radfahrer selten etwas falsch machen. Für mich war das wieder eine Tour, die Naturerlebnis und Kulturgeschichte perfekt in Einklang bringt. Überhaupt ist die Region sehr abwechslungsreich, relativ unbekannt und trotz der Nähe zu Genf wilder als man denkt. Nur Trails gibt es keine, dafür kann man etwas auf den kurzen Northshore Elementen spielen.

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Statistik: 32.6 km, ca. 520 Höhenmeter, Fahrzeit 2:08 h

Der Sentier des Gardes Fail !

Es ist Hochsommer und ein wunderschöner Abend, ideal für eine ausgedehnte Feierabendtour am Arbeitsplatz. Ziel ist erneut die Flanke der Crêt de la Neige. Die Anfahrt führt durch die Rebberge von Satigny, vorbei am alten Zoll von Bourdigny-Dessus und runter nach Thoiry, wo man die unbenutzte Bahnstrecke von Collonges nach Divonne-les-Bains überquert. Das wäre auch eine schöne Voie Verte!

Ich plane heute den Sentier des Gardes zu erkunden, ein Wanderweg, welcher auf der Karte parallel zur Grande Route Forestière verläuft und über 15 Kilometer ein leichtes Gefälle von rund 200 Höhenmeter hat. Auf einer Schweizerkarte der perfekte Trail – in Frankreich?  Doch erst muss ich rauf nach Le Tiocan und auf einer sehr steilen Schotterstrasse weiter zum Punkt 1050.

Der Einstieg ist hart. Ich kämpfe mich durch knöcheltief Matsch grosser Forstmaschinen und muss das Mountainbike immer wieder tragen, obwohl es abwärts geht. Endlich sieht man einen alten Weg. Noch motiviert fahre ich durch den grünen Wald, der Weg war mal breit, nun leider vollständig zugewachsen. Trotzdem lässt sich die Spur erahnen und die Tour wird zum Dschungelritt. Die Natur versucht alles um mich vom Bike zu holen – Bäume und Zweige im Gesicht, Dornen an Armen und Beinen sowie Ranken im Antrieb.

Was anfangs noch lustig ist, wird immer abenteuerlicher und auf der Höhe von Sergy muss ich die Übung aus Sicherheitsgründen abbrechen – hier findet dich bei einem Problem wochenlang keiner. Der Exit ist der direkte Abstieg über 160 Höhenmeter auf die bekannte Forststrasse. Was auf den Bildern harmlos aussieht, wird zu einer echten Herausforderung. Zwischen steilen Felsen, tiefem Laub und umgestürzten Bäumen suche ich einen Weg, der Halt bietet – dabei hilft mir das Mountainbike nicht wirklich. Kaum auf einem steilen Weg, steht noch eine Forstmaschine so blöd im Weg, dass deren Umgehung mich nochmals in den Steilhang zwingt. Ich bin ziemlich froh wieder auf der Strasse zu sein.

Leider gibt es noch mehr negative Geschichten. Einen Kilometer weiter treffe ich auf zwei Langhaardackel (oder was ähnliches) mit auffälligen, neonfarbenen Halsbändern inklusive kleinen Glöckchen?! Ich erinnere mich an den Anschlag bei Tiocan bezüglich zweier entlaufener Hunde. Die beiden sind putzmunter, begrüssen mich und trotten mir nach. Ich fahre langsam weiter, während die beiden mir auf ihren kleinen Beinen nachlaufen. Eine Stunde später ist meine Geduld zu Ende, es wird langsam dunkel und ich bin kaum vorwärts gekommen und bis Chez Buffet ist es noch richtig weit. Als sich die beiden Hunde wieder mal in die Büsche schlagen, habe ich die Schnauze voll und fahre zurück ins Tal. Wieder mit Natelempfang rufe ich die Telefonnummer auf dem Halsband an – es handelt sich um einen französischen Hundefinderservice, der zuerst mal einige Euro pro Minute für den Anruf will. Sorry Hundies, da  ist mein Mitgefühl zu Ende und ich hoffe die beiden kommen auch sonst irgendwie nach Hause oder mindestens in belebteres Gebiet, im Ausreissen scheinen sie jedenfalls Erfahrung zu haben.

…und so endet meine wenig erfolgreiche Feierabendrunde!

Statistik: 38 km, ca. 830 Höhenmeter, Fahrzeit 2:58 h

Die Trütlisbergpass – Tour !

Achtung: Bilderflut – leider war die Selektion der Bilder bei dieser grandiosen Tour wieder mal schwierig und so gibt es hier eine Bilder-Overload-Warnung!

Zwei Wochen vor dieser Tour war ich auf einer Wanderung auf dem Sparemoos. Blickt man dort in Richtung Süden sieht man direkt auf den markanten Giferspitz und die umliegende grüne Landschaft – in Gedanken gehe ich die Mountainbike-Checkliste durch und bei der Recherche zu Hause stosse ich rasch auf den Trütlisberg. Swiss Meteo meldet schönes Bergwetter und so lege ich spontan einen Freitag am Freitag ein.

In der Region gibt es einige Touren, zB die offizielle Trütlisbergbike 891 ab Gstaad oder die Ride Trütlisbergpasstour ab der Lenk. Ich wähle letztere, die Weicheivariante, und starte bei der Talstation (1078m) der Betelberg Bahn. In einer durchaus witzigen Erlebnisgondel überwinde ich knapp 900 Höhenmeter bis zum Betelberg (1946m). Ich bin bewusst früh unterwegs und so reicht es für ein Frühkaffee im Bergrestaurant.

Hinter der Hütte führt eine einfach zu befahrene Wanderautobahn entlang des Leiterli in Richtung Stübleni. Ich kenne die Region nur vom Skifahren im Winter und staune über die schöne Region. Das Gras leuchtet frischgrün vor dem blauen Himmel und ich bin erstaunlicherweise alleine unterwegs. Der Frühling ist noch nicht lange eingezogen und entsprechend viele Bergblumen blühen am Wegesrand. Ein Fotohalt folgt dem anderen.

Der südliche Weg ums Stübleni scheint mir fahrbarer als die Direttissima. Soll ich einen Abstecher in Richtung Stüblenipass und Stigellegi / Tungelpass an den Fuss des Wildhornmassivs machen? Auf der Karte ist der Weg verlockend, in der Realität liegen noch einige kleine Schneefelder und so lasse ich den Ausflug sein. Bis zum Stübleni rauf muss das Mountainbike kurz geschoben werden.

Vor mir liegt nun eine geologische Besonderheit, die Gryden. Die ganze Gegend ist Kraterlandschaft aus Gipsdolien. Entfernt erinnert mich die Szenerie an Eindrücke aus dem Yelllowstone. Natürlich brodelt hier nichts in der Erde und die zahlreichen weissen Löcher sind maximal mit kühlem Altschnee gefüllt. Der spektakuläre Wanderweg führt auf dem Grat mitten durch die Krater und wer Mut und keine Angst vor tiefen Löchern hat, kann den einen oder anderen Abschnitt vielleicht fahren. Schieben ist trotzdem empfehlenswerter!

Auf dem Weg finden sich einige Stelen mit zusätzlichen Informationen zu diesem Naturschauspiel. Bei der Schutzhütte (2048m), ein lustiges Minichalet auf dem Berg, halte ich erneut inne und geniesse das grandiose Panorama. Ein Singletrail führt hinüber zum Trütlisbergpass, der Lauenen – Gstaad mit der Lenk verbindet.

Weiter entlang der steilen Flanke der Tube und nochmals kurz das Bike geschoben, bevor man zum Türli (1986) abfährt, ebenfalls ein kleiner Pass. Die Flurbezeichnungen sind dabei etwas wirr, unterhalb des Passes ist nun der Trütlisberg, welcher eher ein Talkessel, den ein Berg ist.

Die Szenerie ist umwerfend. Vor mir liegt das wunderbar grüne und relativ unberührte Turbachtal, links Louwenehore und Giferspitz, rechts der langgezogene Rücken des Wistätthore. Ich setzte mich mal hin und geniesse – die Blumenpracht, die Ruhe, das Panorama! Ein Singletrail führt nun rechts auf halber Flankenhöhe dem ganzen Tal entlang. Ich bin gespannt.

Auf der Singletrailmap ist der Weg schwarz eingezeichnet und ich kann das angesichts des braunen Bandes im sanften Wiesenhang nicht richtig glauben. Zu Beginn müssen einige Höhenmeter zum Oberen Trütlisberg überwunden werden. Ich liefere mir ein kleines Rennen mit dem Landwirt, der auf einem sehr langsamen Gefährt ebenfalls zur Alp aufsteigt – und gewinne! 😉

Die ersten Kilometer machen einen perfekten Eindruck. Kein Wunder, treffe ich doch später auf der Höhe des Rüwlishore auf den Arbeiter, der seit einigen Tagen mit dem Wegunterhalt beschäftigt ist. Was soll ich da sagen – einfach nur TOP! Ich danke ihm recht herzlich für den toll hergerichteten Weg und als dieser später wie mit dem Massstab gemäht scheint, muss ich etwas über die Schweizer Perfektion schmunzeln.

Im folgenden Abschnitt wird der Singletrail etwas schmaler und manchmal etwas ruppiger. Es hat zudem einige ausgesetzte Stellen, die eine gewisse Fahrsicherheit voraussetzen und wohl die schwarze Beurteilung motiviert haben. Der Weg endet bei der Zwitzeregg, ein interessanter Namen für diese Region. Hier öffnet sich nun der Blick gegen Norden in Richtung Gastlosen.

Die schönen Landschaften liefern sich auf der heutigen Tour einen Wettkampf. Auf dem Rüwlispass (1718m) steht man inmitten einer voralpinen Sumpf- und Moorlandschaft, inklusive der prachtvollen Flora. Eine kurze Abfahrt und nach dem Hof Altläger geht es in den nächsten Trail, der sich abwechslungsreich durch den Wald schlängelt.

Der Wanderweg endet auf einer gemähten Alpwiese, dem obere Chatzestalde (1617m). Zeit für eine Zwischenverpflegung. Wie auf einem Balkon sitzt man hoch über Matten und hat vor sich das Panorama der Spillgerte und des Albristhore ausgebreitet. Episch…

Die Tour durchquert das Dürrebachtobel und hat dann nur noch eines im Sinn – auf steilen und steilsten Wegen möglichst rasch runter ins Simmental und zurück in die Lenk. Mit etwas Fahrtechnik und einem absenkbaren Sattel sind die Abschnitte mehrheitlich fahrbar. Dabei sollte man immer wieder kurz aufschauen um das Panorama des majestätischen Wildstrubels nicht zu verpassen.

Fazit: Ich glaube jeder Kommentar erübrigt sich und man spürt die Begeisterung über diese fast 100% Singletrailtour. Wer Lust hat auf mehr, kauft sich eine Tageskarte bei der Betelbergbahn (35 CHF, Einzelfahrt 27 CHF, Bike Tageskarte 5 CHF) und hängt noch eine Abfahrt durchs Wallbachtal an oder fährt mit Muskelkraft via Pöschenried den Berg hoch oder testet den Flowtrail durch den Summerwald. ich kehre sicher nochmals zurück!

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Statistik: 23.5 km, ca. 527 Höhenmeter, Fahrzeit 3:06 h