Beiträge des Monats - Oktober 2008

Erdbeben – mittendrin !

Vor wenigen Minuten schüttelte es meinen Schreibtisch und mich kurz durch. Erstmals erleben wir die Hauptbedrohung hier in Kalifornien hautnah. Der Puls steigt kurz und nach einer Sekunde ist es zum Glück bereits wieder vorbei.

Ein Blick auf USGS zeigt zwei Dinge:
1. Dass man ca. 60 Sekunden nach einem Erbeben bereits die ersten Informationen im Internet bekommt und nach ca. 5 Minuten Stärke, Position, Tiefe und einiges mehr online und auf Google Maps aufgearbeitet ist. Ich bezweifle, dass dies bei einem ‘Big One’ auch so wäre.
2. Dass das Beben mit einer Stärke von 3.2 mit dem Epizentrum in Carmel quasi unter meinem Stuhl stattfand und es deshalb trotz der geringen Stärke ziemlich deutlich spürbar war.

Es bleibt zu hoffen, dass es in Sachen Erbeben hier nicht zu schlimm wird. Schliesslich ziehen heute die Kinder von Haus zu Haus und wollen beim ‘Süssigkeitenfressen’ alias ‘Halloween’ nicht gestört werden. Mehr zu diesem äusserst bizarren Amerikanischen Brauch gibt es meinerseits nicht. Es ist schlimmer als Fasnacht! (Sorry, ich bin ein Berner…)

Der Spanish Bay Loop !

Gestern fuhr ich erneut eine kleine Runde dem Meer entlang auf den Spuren meine 17 Mile Drive Tour. Ich muss mich immer noch an lokalen Wettergegebenheiten gewöhnen. Draussen auf dem Pazifik ist eine permanente Nebelbank, die manchmal auf Meereshöhe, manchmal auf ca. 200m Höhe ist. Je nach Lust und Laune von Poseidon, ‘schwappt’ der Nebel an Land, jedoch nie mehr als ca. 1 Kilometer landeinwärts. Entsprechend schwierig ist die Tourenplanung. Ähnlich wie bei uns der Hochnebel können das Wetter und damit die Temperaturen von Meter zu Meter massiv wechseln.

Dies ist wahrscheinlich die letzte Tour vor dem Wintereinbruch am Wochenende. Wintereinbruch heisst hier zeitweise Regen und Temperaturen zwischen 10 und 15°C. Nichts im Vergleich zu dem was heute in der Schweiz als Wintereinbruch definiert wird.

Mit dem Spanish Bay Loop habe ich nun eine interessante Rundstrecke für eine stündige Trainingseinheit gefunden, die über weite Strecken entlang des Meeres führt. Schön!

Statistik: 23.3 km, ca. 223 Höhenmeter, Fahrzeit 0:58 h

Der 17 Mile Drive !

Am letzten Wochenende fuhren ich und meine Frau eine Biketour entlang des berühmten 17 Mile Drive (schöne interaktive Karte auf der Webseite) in Pebble Beach. Die Strasse ist ein touristischer und landschaftlich sehenswerter Rundkurs im Westen der Monterey Halbinsel. Sie befindet sich auf dem Areal der Pebble Beach Company, einer sogenannten Gated Community für die Reichen der Region. Entsprechend muss man mit dem Auto Eintritt bezahlen, mit dem Mountainbike ist es gratis. Im ersten Abschnitt führt die Strasse alles dem Meer entlang und bietet schöne Aussichten auf den Pazifik.

Pebble Beach besteht im wesentlichen aus Villen und aus Golfplätzen. Einige der schönsten Golfanlagen der Welt befinden sich hier. Tatsächlich sind einige Greens ziemlich spektakulär (siehe Bild links). Die ganze Gegend ist richtig rausgeputzt und die Villen sind durchaus sehenswert. Ein weiteres Highlight der Strecke ist die ‘einsame Zypresse’, dem Firmenlogo von Pebble Beach und ein Symbol wie die Natur der Küste widersteht.

Gestartet sind wir bei schönstem Sonnenschein, aber bald fuhren wir in die hier typischen Nebelbänke hinein und froren einige Kilometer lang. Die ganze Strecke ist auf einer Asphaltstrasse und teilweise ist es ziemlich eng. Am Wochenende würde ich die Strecke lieber nicht befahren. Der zweite Streckenteil führt auf dem Bergrücken durch schöne Wälder zurück an den Ausgangspunkt.

Fazit: Für mich wird dies eine ideale Trainingsstrecke werden, ist sie doch sehr abwechslungsreich und hat eine gute Länge (40km mit An- und Rückfahrt). Als Tourist muss man den 17 Mile Drive nicht zwingend gesehen haben, ausser man ist ein Golfer oder interessiert wo die Reichen und Schönen leben. Wer jedoch keine Zeit hat den Highway Nr 1 runterzufahren, kriegt auf dem 17 Miles Drive eine Idee davon im Taschenformat.

Statistik: 40.4 km, ca. 446 Höhenmeter, Fahrzeit 2:54 h

Yosemite Nationalpark – Glacier Point !

Mit diesem letzten Beitrag möchte ich die Reihe über unseren Besuch des Yosemite Nationalparks abschliessen. Am letzten Tag haben wir uns das Yosemite Valley noch quasi aus der Vogelperspektive angesehen. Eine lange, kurvenreiche Stichstrasse durch endlose Wälder führt zum Glacier Point. Auf 2199m ist man einerseits auf Augenhöhe mit der Hochebene und sieht hinauf zu den Bergen der High Sierra und steht andererseits senkrecht fast 1000m über dem Yosemite Valley und seinen Attraktionen.

Der Ausblick und das Panorama sind fantastisch. Davon zeugen zahlreiche Fotografen, die ihr Equipment aufgebaut haben um entweder die Abendsonne oder den Vollmond vor dieser grandiosen Kulisse einzufangen. Ein Wanderweg ermöglicht es vom Tal zum Glacier Point hinauf bzw. hinunter zu laufen. Sinn dürfte das aber nicht wirklich machen (wer will schon eine stundenlange Wanderung auf sich nehmen, um dann die Aussicht mit hunderten von Autotouristen zu teilen).

Der Besuch am Glacier Point konnte die Eindrücke über den Park nochmals verstärken. Wer ein wenig massentourismustolerant ist, der wird am Yosemite Park seine helle Freude haben. Wer es nicht ist, dem sei der Besuch trotzdem empfohlen, es gibt Dinge die muss man einfach gesehen haben, ich denke der Yosemite Park gehört dazu.

Yosemite Nationalpark – Half Dome !

Markenzeichen des Yosemite Nationalparks ist sicher der dominante, alles überragende Halbkegel, der Half Dome. Seine polierte Oberfläche dient als Reflektion für unzählige Fotos in allen Lichtvarianten. Langsam wird das Grau der Felsen in diesen Beiträgen wohl etwas öde, aber in der Realität sind solche Wände einfach faszinierend (jedenfalls für mich – Ich bin einer, der auch zum 100sten Mal auf der Kleinen Scheidegg noch ungläubig die Eigernordwand raufschaut). Der Half Dome, mit 8842 ft der unbestrittene Star im Yosemite Nationalpark…

Yosemite Nationalpark – Vernal / Nevada Falls !

Einen Tag haben wir uns im Yosemite Nationalpark für eine längere Wanderung reserviert. Weil wir trotz Herbst noch Wasserfälle ‘in Betrieb’ sehen wollten, wählten wir eine Tour zum Vernal und Nevada Fall. Das Auto parkiert man am besten im Curry Village und nimmt dann den Shuttle Bus bis zum Stop 16, Happy Island Center. Der Weg bringt uns ins Little Yosemite Valley, entlang dem Merced River, dem Hauptfluss des Tales. Der erste Streckenabschnitt führt auf einem gut ausgebauten Wanderweg entlang, in den Alpen würde der breite asphaltierte Weg schon fast als Passsträsschen durchgehen.

Er erlaubt den Touristenmassen (die aber heute wegen den doch ziemlich kühlen Temperaturen weitgehend fehlen) bis zu einer Brücke zu gehen von der man einen entfernten Blick auf den Vernan Fall hat. Danach ändert der Weg dem Charakter und wird tatsächlich zum Wanderweg, der aber weiterhin amerikanisch gut ausgebaut ist. Wir folgen dem Mist Trail dem Fluss entlang. Wie der Name schon sagt, bleibt man auf diesem Weg wegen der Gischt des Wasserfalles im Frühjahr und Sommer nicht trocken. Jetzt ist es jedoch keine Problem.

Der letzte Wegabschnitt ist ein steiler, teils ausgesetzter Aufstieg zum Vernal Wasserfall. Über hunderte von Treppenstufen hat man eine wunderbare Aussicht auf den Wasserfall. Oben angekommen bietet sich die Gelegenheit etwas zu rasten und die Sonne zu geniessen. Der Fluss fliesst über eine riesige Granitplatte, um dann senkrecht in den Fall abzustürzen. Die Aussicht vom Emerald Pool auf die umliegenden massiven Granitfelsen sind wunderbar.

Wir laufen weiter auf dem Mist Trail zum zweiten Wasserfall des Tages. Auch hier zwingt ein steiler Aufstieg die Höhenmeter des Falles zu überwinden. Oben angelangt haben wir Zeit um etwas zu Essen und die WC-Häuschen zu benutzen. Im ganzen Park sind WCs im Blockhausstil installiert. Wir können beobachten wie ein Cowboy mit Maultieren die Chemie-WCs leert und mit der Karawane voll Schei… ins Tal runterläuft. Faszinierend wie trittsicher die angebundenen Maultiere auf dem teils steilen und schmalen Wanderweg sind. Auch beim Nevada Fall kann man direkt an die Absturzkante stehen und einige Hundert Meter runterschauen. Die Aussicht auf das ganze Tal ist grandios.

Zum Glück müssen wir nicht den gleichen Weg zurücknehmen, sondern wechseln die Talseite und laufen auf dem John Muir Trail wieder ins Tal hinunter. Er führt im oberen Abschnitt spektakulär durch eine Felswand, immer im Blick die abgeschliffene Rückseite des Half Dome. Auf diesem Pfad hat es erste massive Eiszapfen und es verwundert nicht, dass der Weg im Winter deshalb gesperrt ist. Die Kinder wanderten übrigens wunderbar mit und die verschiedenen Warnungen am Wegrand zum Verhalten bei Kontakt mit Bären und speziell mit Pumas sorgten dafür, dass die Wanderdisziplin in der Familie ziemlich gut war (Pumas fressen besonders gerne kleine Kinder, die zu weit hinter den Eltern zurückbleiben).  ;-)

Fazit: Die Rundtour ins Little Yosemite Valley ist eine wunderbare Tageswanderung, geeignet auch für kleinere Kinder, obwohl es einige ausgesetzte Stellen hat. Die Wanderung dauert 4 – 6 Stunden, je nach Kondition.

Die Fahrradweg – Signaturen !

Gestern wurden auf meinem Arbeitsweg neue Fahrradweg – Signaturen aufgemalt. Die alten waren eigentlich noch gut sichtbar, aber nach kalifornischem Verständis im Sinne der hier allgegenwärtigen ‘Produktehaftung’ wohl nicht mehr tragbar. Neu trägt der Biker also einen Helm, der mich aber mehr an einen Stahlhelm aus dem 1. Weltkrieg denn an einen Fahrradhelm erinnert. Zudem wurde der Radler ein weniger kleiner und breiter, wahrscheinlich der Kopfgrösse nach intelligenter und vielleicht fährt er nun gar ein 29er…

Yosemite Nationalpark – Valley und Wasserfälle !

Während der Yosemite Nationalpark sehr gross ist, bleibt der eigentlich Touristenmagnet, das Yosemite Valley überschaubar. Auf engem Raum stehen die Naturwunder im Mehrfachpack. Auf dem flachen bewaldeten Talboden gibt es eine Rundstrasse und zwei riesige Tagesparkplätze, zwei Besucherzentren und entsprechende Shopping und Verpflegungsmöglichkeiten. Ein sehr gutes Gratis-Bus-Shuttle System verbindet alle Attraktionen und Ausgangspunkte für Wanderungen.

Die Hauptattraktionen sind die Aussichten auf die bereits beschrieben senkrechten Felswände und die Wasserfälle, die von ihnen runterfallen. Der Haken an der Sache ist jedoch, dass die meisten der Wasserfälle im Sommer und im Herbst kein Wasser führen. Als Schweizer bin ich im Ausland immer etwas skeptisch mit Wasserfällen. Oft bekommt man ein kleines Rinnsal vorgesetzt. Hier gibt es aber definitiv etwas vom Ausmass des Staubbachfalls zu sehen. Konkret ist der Yosemite Wasserfall der höchste Fall in den USA und der fünfthöchste der Welt. Mit etwas Imagination kann man sich das sogar vorstellen aber eine erneute Besichtigung des Parks während der Schneeschmelze im nächsten Frühjahr ist wohl zwingend. Deshalb aufgepasst, die schönen Wasserfälle auf allen Fotos und in allen Reiseführern gibt es nur selten zu sehen!