Val de Bagnes: Rund um den Lac de Mauvoisin ! (Part 1)

Prolog: Es gibt gute Touren und es gibt grandiose Touren. Die untenstehende gehört dazu, nicht unbedingt bikemässig, aber als Gesamtpaket. So konnte ich die Fotos einfach nicht  zusammenkürzen und deshalb gibt es mehr Bilder als üblich und den Tourenbeschrieb in zwei Teilen. Frohes Lesen!

Anfahrt zur Staumauer bei MadzeriaAlte Brücke bei La Vacheresse

Wer mich kennt, oder hier regelmässig mitliest, weiss, dass ich mit dem Mountainbike gerne hoch hinaus fahre und wenn zusätzlich Gletscher locken, ist der Glückspegel besonders hoch. So ein Tag sollte es heute mit der Tour rund um den Lac de Mauvoisin und hinauf zur SAC Hütte Chanrion werden. Die Tour findet sich übrigens im neuen Hütten-Bikeführer des SAC (alpine Variante). Nach einer relativ frischen Zeltnacht am Ufer der Dranse de Bagne starte ich frühzeitig um von den kühlen Morgentemperaturen zu profitieren. Auf einer Teerstrasse kurble ich von 1577 müM zum Hôtel de Mauvoisin auf 1841 müM hinauf.

Hotel MauvoisinSonnenaufgang am Mauvoisin

Über eine alte Brücke wechsle ich auf die andere Talseite. Durch die Schlucht führt übrigens ein abenteuerlich aussehender Klettersteig. Das alte Gebäude des Hotels thront hoch über dem Tal, wird aber seit den 50er Jahren vom mächtigen Staudamm im Hintergrund bedrängt. Im Hotel geniesse ich den überfälligen Frühstückskaffee und studiere einige Broschüren der Region. Wer will, kann bis hierher mit dem Auto fahren. Vom Parkplatz führt ein Themenweg über den Bau des Stausees bis hinauf zur Mauerkrone. Ziemlich eindrücklich, ist die Mauer doch die höchste Bogenstaumauer Europas und der Lac de Mauvoisin einer der grössten Stauseen der Schweiz. Ich frage mich nur, woher man den Beton hatte, um so ein Teil an einem so abgelegenen Ort zu bauen.

Staudammgeschichte am WegesrandEinrückliche Bogenstaumauer - Lac de MauvoisinBlick von der Mauerkrone ins Val de Bagnes

Weil die Staumauer in den 80er Jahren nochmals 13 Meter erhöht wurde, muss die Zufahrtsstrasse nun in einem Tunnel die letzten Meter zum See hinauf zurücklegen. Zum Glück ist dieser genügend beleuchtet und überrascht mit einer Kreuzung im Berg inklusive Wanderwegweiser. ‚Die spinnen die Schweizer‘, ist man versucht zu sagen. Links geht es raus auf die Staumauer und rechts weiter im Stollen dem Seeufer entlang.

Nur in der Schweiz - Wanderwegweiser im BergStollenweg mit Stauseeblicken

Das Panorama auf der Staumauer ist eindrücklich und aus den beiden Talflanken speisen tosende Wasserfälle den See. Der Wanderweg führt über knapp einen Kilometer durch eine Felsengalerie. Da kommt auf dem Mountainbike richtiges Abenteurfeeling auf. Erster Höhepunkt ist ein offener Wasserstollen, der einen halben Fluss in den See speist. Der kilometerlange Stollen fasst das Wasser des Glacier de Corbassière sowie der Dyure de Sery. Untenstehend die Innen- und Aussenansicht dieses künstlichen Wasserfalls aus dem Berg.

Wasserzufuhr zum Lac de MauvoisinWasser vom zwei Nebentäler

Wieder am Tageslicht öffnet sich der hinterste Teil des Val de Bagnes, das sich in Nebentäler verzweigt und mit 3000er Gipfeln an der Grenze zu Italien abschliesst. Mögliche Übergänge sind der Col de Crête Sèche und das Fenêtre de Durand, welches einige Verrückte auch schon mit dem Bike bezwungen haben. Hoch über dem See fährt man durch eine einsame Berglandschaft, geprägt von mächtigen Bergflanken, blumigen Alpenwiesen und Kuhherden.

Wieder im Freien - Les TemonésBergbach vom Tournelon Gletscher

Ebenfalls interessant sind die jahrhundertealten, ganz aus Stein gebauten Alphütten (Ecuire), in denen dem Holzgerüst nach noch heute Käse zum Reifen gelagert wird. Immer wieder halte ich inne um den tief unter mir liegenden, vom Gletscherwasser milchig schimmernden Stausee zu bestaunen. Leicht abfallend führt der Weg über Wiesen und durch steile Felsen bis ans Ende des Stausees.

Immer noch genutzt zur KäselagerungTypische Alphütte der RegionBlick zurück zum Lac de Mauvoisin

Das Tal ist umrahmt von nicht ganz ungefährlichen Gletschern. Auf dem Bild mit dem Wasserfall sind die Hängegletscher des Tournelon Blanc sichtbar und mir scheint die Situation bei einem Gletscherabbruch nicht ganz ungefährlich. Tatsächlich gibt es im Internet eine Gefahrenanalyse, aber allzu grosse Brocken sollten einem nicht auf den Kopf fallen. Ebenso interessant ist der Glacier du Giétro (im obigen Panoramabild oben rechts), der früher das Tal auf der Höhe der Staumauer blockierte und grosse Überschwemmungen verursachte. Heute muss er überwacht werden, weil ein Eisabbruch den See über die Staumauer schwappen lassen könnte.

Strasse hoch über dem StauseeStrecke entlang des SeesBlick zurück bei Charmotane

Nach einigen weiteren spannenden Wegabschnitten fährt man ans Ende des Stausees bei Boussine und blickt zufrieden auf die abgefahrene Strecke zurück. Es folgen zwei Höhenstufen von je etwa 200 Meter. Sowohl der Weg wie die Steigung sind gut fahrbar, aber langsam macht sich auf 2200m die dünnere Luft bemerkbar. Ich schalte einen Gang zurück, geniesse die Bergwelt und nehme es gemütlich, die Landschaft ist wild, karg und eindrücklich. Zudem kommt man bei ruhiger Fahrweise viel näher an die zahlreichen Murmeltiere ran.

Murmeli am WegesrandAubslick bei Chanrion

Schliesslich erreiche ich bei Chanrion, La Paume eine Alp auf 2338m und einen schönen kleinen See. Hier werde ich kurz die Originalroute verlassen und den im obigen Bild ersichtlichen, gut ausgebaute Felsenweg erkunden, der weiter ins Tal und näher zu den Gletschern führt. Dazu mehr im zweiten Teil.

5 Kommentare zu “Val de Bagnes: Rund um den Lac de Mauvoisin ! (Part 1)

  1. Schwoscht
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    Wieder ein toller Bericht! Ich möchte Dir neben den fantastischen Fotos auch mal ein Kränzchen winden zum sprachlichen Ausdruck Deiner Blogeinträge (vererbtes Talent??) – es macht mir immer Freude, ab und zu mitzulesen! Bring mau e Mungge mit wenn scho so nöch härechunnsch, ds Fleisch syg ja schiints sehr guet 😃. Lg vor Schwoscht.

  2. Ventoux
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    Wunderschöne Eindrücke von einem wunderschönen Walliser Tal. Ich liebe solche Bildberichte von Touren weit über der Waldgrenze. Mehr davon…. Und da das Fenêtre de Durand noch auf meiner Liste steht, gibt mir dieser Bericht einen Eindruck vom Weg dahin. Gehe ich richtig in der Annahme, dass man kein Licht braucht durch die Tunnel?

    1. Spoony Artikelautor
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      Also das Fenêtre de Durand sieht mir ziemlich nach Biketragen aus. Die Anfahrt und wohl auch die Abfahrt dürften sich aber lohnen. Die Tunnel sind alle beleuchtet. Das kann man von einem Stromproduzenten schliesslich erwarten. 😉

  3. sven
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    solche bilder dürfens ruhig ein paar mehr sein 😉
    ich staune auch immer wieder, wo und unter welchen umständen solche bauwerke zu einer zeit entstanden, als die technischen hilfsmittel noch lange nicht auf dem heutigen stand waren.

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