Die Lötschberg Südrampe – Wellness Version !

Es ist schon einige Jahre her, dass ich die BLS Südrampe in der erweiterten Sommervariante befahren habe. Dieses Jahr will der Schnee nicht kommen und so geht es nochmals ins Wallis. Wie immer stehe ich früh auf, komme problemlos durch den Autoverlad und bin noch vor dem Sonnenaufgang auf dem Parkplatz des Brigerbades, bereit zur Abfahrt. Die Rhoneebene hat den Charme einer Tiefkühltruhe. Zusätzlich wird man wegen der A9 Baustelle im Zick-Zack über den Talboden geschickt. Bei Steg (630m) geht es in den Aufstieg nach Hohtenn (817m) und endlich zeigt sich die Sonne.

Noch liegen die letzten Nebelwolken über dem Tal und die Morgensonne spielt mit den Wolken oberhalb von Bürchen und Eischoll. Die letzten Höhenmeter hinauf zum Start der Südrampe bei der Station Hohtenn (1077m) sind rasch erzwungen und auf dem Bänkli beim Bahnhof gibt es eine erste kleine Pause. Dann geht es los auf den Wanderweg und Singletrail!

Schon auf den ersten Metern weiss ich wieder wieso die Südrampe ein Klassiker, nicht nur für Wanderer, ist: Singletrails wechseln mit Schiebepassagen, flowige Abschnitte folgen kniffligen Passagen, dazu das tolle Panorama und immer begleitet von einem bahntechnischen Jahrhundertbauwerk.

Die Kilometer bis zum Chrüterbeizli bei Rarnerchumma sind die pure Abwechslung. Die Südrampe ist kein Flowtrail runter nach Brig, aber die Schiebe- und Tragepassagen sind nie zu lang und es folgt immer wieder ein kurzes versöhnliches Stück Traumtrail. Keine Ahnung, wieso ich so lange nicht mehr auf der Südrampe war. Einfach nur toll!

Beim (geschlossenen) Chrüterbeizli nehme ich die Abkürzung über die Bietschbachviadukt und verzichte auf den Weg über die Naturbrücke und den Ritzubode. Auf dem alten Trasse der Baubahn durchquere ich einige Tunnels, bis ich am eindrücklichen Stahlviadukt über den Bietschbach stehe. Hier muss das Mountainbike etwa 7m eine enge Stahltreppe raufgetragen werden damit man das Tal über die Eisenbahnbrücke queren kann. Der Erlebniswert der Variante ‚Viadukt‘ ist damit mindestens so hoch wie die Variante Naturbrücke.

Der Trail folgt ab Talausgang der wunderbar restaurierten Suone Manera bis nach Sefistei. Entlang des ganzen Südrampen Wanderweges stehen unzählige Stelen mit Infotafeln, welche Wissenwertes zur Entstehung der Bahnlinie und zur Umgebung liefern. Es lohnt sich bei den Tafeln kurz inne zu halten und die Texte zu lesen. Noch ein Felsriegel und man steht in Ausserberg, der wohl grössten Ortschaft auf der Südrampe.

Die klassische Bikeroute steigt nun rauf zur Niewärchsuone und führt dann durch den selbigen Stollen ins Baltschiedertal. Ich bleibe heute auf dem Wanderweg, der oberhalb der Bahnlinie zum Punkt 925 führt. Der Weg ist verblockt und auf dem ersten Abschnitt muss das Bike getragen werden. Doch auch hier entschädigt bald wieder ein genialer kurzer Singletrail für die Anstrengung.

Beim Viadukt über den Baltschiederbach folgt der Weg erneut der alten Baubahn. Eindrücklich, was hier in den Fels geschlagen wurde damit man Zugang zur eigentlichen Brückenbaustelle erhielt. Beim Eggerberg trifft man wieder auf die Bahnlinie, welche erneut mit einem Tunnel ‚abgekürzt‘ hat.

Der Blick zurück zeigt nochmals die leicht abfallende Eisenbahnlinie der Lötschberg Südrampe im Sonnenschein. Die Trails duften in der Mittagssonne bereits wieder nach Frühling statt nach Winter. Weiter geht es der Bahnlinie entlang, manchmal so nahe, dass der breite Lenker mit den Fahrleitungsmasten in Konflikt kommt. Oberhalb von Brigerbad steht schliesslich ein unübersehbares Bikeverbotsschild auf dem Trail. Ich respektiere das (obwohl heute die Wanderer an einer Hand abzuzählen waren) und fahre auf einem äusserst steilen alten Karrweg runter ins Dorf und weiter bis zum Parkplatz des Autos.

Nun folgt im Brigerbad, welches neuerdings auch im Winter geöffnet hat, der richtige Wellness Teil meiner heutigen Tour. Sowohl die Saunaanlage, wie der Thermalbereich sind schön eingerichtet und ich genoss das heisse Wasser. So muss eine Mountainbiketour im Winter enden!

Oben die Strecke in der Variante ‚Winter‘. Aber Achtung: Ist der Winter wirklich da, sollte man sich vorgängig gut über den Streckenzustand schlau machen. Lawinen und Rüfen können den Weg oft länger unterbrechen und viele Stellen sind zu ausgesetzt um ein Risiko einzugehen. Unterstehend der offizielle Wanderweg.

Fazit: Immer wieder eine wunderbare Mountainbike Tour mit extrem hohem Erlebniswert. Es gibt noch einige weitere Varianten zu erkunden und ich hoffe ich kehre etwas schneller zurück als das letzte Mal.

Statistik: 45.6 km, ca. 959 Höhenmeter, Fahrzeit 4:14 h

7 Kommentare zu “Die Lötschberg Südrampe – Wellness Version !

  1. deBeatvoBrig
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    Hallo Spoony
    Deine Entscheidung war schon richtig die „Gorperi-Suon“ nicht zu fahren. Denn ich bin am 07.12.2016 durch den Stollen dann der Suone entlang gewandert. Es war stellenweise blankes Eis.
    Die Südrampe vom Bikefahrverbot an ist m.E. und weiter ist nicht zu empfehlen. Ich bin dieses Teilstück mehrmals gewandert und es hat viele Treppen darin, es ist ein ständiges auf und ab.
    Ich danke Dir immer wieder für Deine Berichte und die tollen Bilder.
    deBeatvoBrig

  2. Ventoux
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    Ahh Spoony ist doch noch unterwegs, schön wieder mal was zu lesen von Dir 😉 Da haben wir uns wohl um ein paar Tage verpasst. Es wird wohl zur Tradition dass man um diese Jahreszeit diese und andere Touren fahren kann im Wallis. Und ja die Kombination mit Wellness im Brigerbad ist keine schlechte Idee.

  3. ROTSCHER
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    Irgend wie habe ich die Fähigkeit, im richtigen Augenblick blind zu sein (Bikeverbot) 🙃 Ich schäme mich ja, aber die Abfahrt zum Bad war genial 😎 Das nächste Mal musst du mit Pesche und mir mitkommen, wir hätten dich schon abgelenkt.
    Das heisse Bad hätte ich auch gut ertragen können. Diese tolle Idee merke ich mir für das nächste Mal 👍
    Schön zu lesen, dass andere auch dieselben Tourenideen haben.

    1. Spoony Artikelautor
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      Hoi Rotscher, hab natürlich beim Blick auf Eischoll an dich gedacht! Ist denn der Weg nach dem Bikeverbot gut fahrbar? Auf meinem GPS hatte ich nämlich schon auch die Abfahrt direkt über dem Brigerbad im Visier und in dieser Jahreszeit habe ich wenn nötig durchaus auch einen blinden Fleck im Auge.

      1. ROTSCHER

        Hallo Spoony. Der Weg bis zum Abzweiger ist null Problem. Die Abfahrt selber ist im steilen Hang mit etwas Schotter und vor allem Spitzkehren 🙂 Wenn man das Hinterrad versetzen kann, macht es natürlich doppelt Spass und erleichtert die Arbeit.

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