Montag
19. Jul 2010
@ 22:13
Heute hatte ich den einzigen freien Abend der Woche und so genoss ich diesen bei schönstem Wetter im Tramdepot mit Blick auf die wunderbare Altstadt und den Bärenpark samt Bären und Jungtieren. Nicht fehlen durfte ein Märzen Bier, ein Bretzel und etwas MTB Lektüre in Form des Mountain Bike Magazins 08/10. Heute hatte ich Lust und Zeit die Zeitschrift nicht nur durchzublättern, sondern mir einige Gedanken dazu zu machen. Folgende Dinge sind mir aufgefallen:
1. Sprachrohr der Bikeindustrie: Dieser Vorwurf wird den Deutschen Bikemagazinen oft gemacht und trotzdem scheinen sie sich ziemlich gut zu verkaufen. Ich würde es eher anders formulieren: In typisch europäischer Eigenschaft ist die MTB Presse technophil und statistikbegeistert. Es scheint als glaube man der Excel-Tabelle aus Hunderten von Testwerten eher als dem Fahrgefühl im Praxistest. Dies ist ein fundamentaler Unterschied zur Bikepresse in der USA, die geprägt ist von Geschichten, Menschen und Gefühlen.
2. Wenig Emotionen: Das führt gleich zum nächsten Problem. Dem Magazin fehlt es an Emotionen, es fehlt an Ich-Journalismus, es fehlt an Meinungen, es fehlt an Bikekultur und -politik. Irgendwie schade, ich habe die ausgeflippten Berichte der US-Magazine geschätzt; da werden tragische Stories, echte Gefühle und traditionelle Bikekultur gelebt und beschrieben. Unsere Magazine lesen sich oft wie aufgemotzte technische Bedienungsanleitungen mit zugegebenermassen perfekten Bildern.
3. Systemintegration: In diesem und dem nächsten Jahr geht die Systemintegration der grossen Hersteller wie Specialized kräftig weiter. Da frage ich mich, ob ich mir das Schrauberwissen nicht zum falschen Zeitpunkt angeeignet habe. Wenn es so weiter geht, gibt es kaum noch Standards für auswechselbare Parts und in Zukunft lässt sich am Bike auch nicht mehr viel selber schrauben.
4. Peter Denk: Nachdem es etwas ruhiger wurde um Peter Denk ist nun der Wechsel von Scott zu Cannondale auch optisch an den Bikes sichtbar. Das Cannondale Jekyell scheint mir doch ziemlich in der Nähe des Scott Genius zu sein. Ich bin gespannt ob das eierlegende Wollmichsau-Bikekonzept erneut funktioniert. Der ultrakomplexe Hinterraddämpfer weckt bei mir Erinnerungen ans Genius. Da bleibt nur zu hoffen, dass ohne Profi-Boxencrew für das Setting eine normale Ausfahrt noch machbar ist.
5. Teurer: Die Bikes knacken locker die 7000 EUR Grenze und bei den getesten Karbon-Laufrädern spricht man schon mal von 2000 EUR. Da ist es nur logisch, dass mittlerweile Vollkasko-Versicherung wie beim Auto angeboten werden. Es fragt sich nur was den da versichert wird – schliesslich gibt es selten Unfälle, dafür umso mehr gebrochene Rahmen und Parts beim ‘normalen’ Gebrauch des Fahrrades.
6. Scott Scale 899: Liebe Jungs (und Mädels) von Scott. Ich lese, dass ihr eine Gewichtsgarantie auf die Rahmen gebt und alle schwereren Rahmen aussortiert. Also ich hätte da Interesse an einem ‘Ausschussrahmen’ welcher durch die Toleranz fällt und 900 Gramm wiegt. Ich würde euch den Karbonschrott kostenlos abnehmen. Natürlich hätte ich noch mehr Interesse an einem Scale 29er für 950g statt 949g. Ich könnte mit dem Zusatzgewicht gut leben. Euer Spoony…
Und sonst ? Der Bericht von der Bikeproduktion aus Taiwan ist ein Beispiel wie unkritisch und undifferenziert über die Bikeindustrie berichtet wird. Schade – diese Reportage hätte das Potential für einen guten und differenzierten Hintergrundsbericht zur Mountainbike-Produktion gehabt. Dafür haben mir die Tourenberichte aus der Schweiz und aus Ischgl gefallen. Hier gibt es wenig auszusetzen und man bekommt viele nützliche Informationen für mögliche Touren. Und dann gab es noch einen kitzekleinen Kasten zum IF Ti Deluxe 29er – ein Ti29 in der deutschen Bikepresse – nicht schlecht…
