Cover Ride Ausgabe 04-07Beim Lesen der aktuellen Ausgabe des Ride Magazins (4-07) bin ich wieder einmal über das üblich süffig, kritische Editorial des Herausgebers, Thomas Giger, gestolpert. Unter den beiden Titeln ‘Neue Biketrails fördern die Intoleranz’ und ‘Wir sind gar nicht so schlecht’ macht er zwei Kernaussagen.

Erstens: Mit dem Bau von exklusiven Biketrails aller Art erweisen wir der Bikegemeinschaft einen Bärendienst, was sich mittelfristig kontraproduktiv auswirken wird. Zu Ende gedacht, wird man uns von allen Wanderwegen verbannen und ins ‘Trail-Ghetto’ weisen.
Zweitens: Wir hätten es gar nicht nötig. Die Schweiz verfügt über das dichteste Wegnetz der Welt, die beste Mountainbike Infrastruktur. Die Toleranz von Bahnbetreibern und Wanderern ist so gross wie selten irgendwo.

Ich denke beide Aussagen haben viel Wahres an sich. Die durch die Bike-Presse und die Industrie geschürte Spezialisierungswut (Enduro, Cross-Country, Downhill, Freeride, Touren, Ladybikes etc) setzt sich im Gelände nahtlos fort. Jedem sein eigener Weg heisst der Trend. Giger bringt es auf den Punkt, viele Biker wollen die Wege nur noch für sich, ohne zu realisieren, dass sie sich damit von allen Wanderwegen ausschliessen! Mir macht diese Entwicklung Sorge. Wenn das so weitergeht, werden wir Biker nur noch auf Biketrails oder im Bikepark fahren dürfen. Eine ähnliche Entwicklung hat ja der Skisport gemacht. Wo es früher noch sowas wie Buckel-Natur-Pistenerlebnis gab,findet man heute nur noch breite, plattgewalzte Kunstschnee-Skiautobahnen.

In diesem Sinn schliesse ich mich gerne dem Autor an und plädiere für etwas mehr Natur, etwas weniger Bike-Only Trails, etwas mehr Toleranz gegenüber Wanderern und Trails die nicht nur per Schaufel und Pickel auf ‘Super-Flowig’ getrimmt sind, sondern solche, auf denen auch mal ein Steinbrocken oder eine Rotsocke im Wege stehen darf.