Die Schafälplitrail Tour !

Der Wetterbericht ist gut und so will ich heute mit der Tour Nr. 13 ´Schafälplitrail´ hoch hinaus. Start beim Hotel Dieschen (1490m) und dann auf Forstwegen rauf, bei der Mittelstation der Rothornbahn vorbei, zur Alp Scharmoin (1922m). War der Aufstieg bisher angenehm, wird es nun auf alpinen Schotterwegen zunehmend ruppig und einige steile Abschnitte zwingen zum Absteigen. Ab dem Skiliftende (2266m) geht der Weg in eine Geröllhalde über. In der Flanke des Parpaner Rothornes räumen Bahnangestellte den Weg mit einem Menzimuck von den Rüfen des Winters frei.

Der Weg ist voller Kempen und an ein Fahren ist nicht zu denken. Gerne würde ich den sehen, der hier rauffahren kann! So schiebe ich das Mountainbike etwa 1 Stunde und ca. 2 Kilometer weit aufs Rothorn. Als der Weg wieder fahrbarer wird, muss ich feststellen, dass meiner Flachlandlunge ab 2500m einfach die Luft wegbleibt. Doch der Gipfeltriumph entschädigt für die Mühen! Mit Muskelkraft mit dem Mountainbike auf 2865m! Neuer persönlicher Höhenrekord. Um jede Schönfärberei zu vermeiden, der Aufstieg zum Rothorn ist ´Sackhart` und eine Qual.

Im Spätsommer wenn sich der Weg gesetzt hat und es eine Fahrspur gibt, sieht dies vielleicht anders aus. Zu meinem Erstaunen hat die Rothornbahn bis Samstag Revision und damit ist auch das Gipfel-Restaurant geschlossen. Zum Glück habe ich immer eine Notflasche Trinken im Rucksack. Dafür bin ich mit dem grossartigen Panorama mutterseelen allein. Keine Downhiller weit und breit. Einzig ein Jogger trainiert für den Graubünden – Marathon vom nächsten Samstag, dessen Ziel auf dem Rothorn ist.

Nach einer Banane geht es via Schneefelder über das Totälpli hinüber zum Gredigsfürggli (2617m). Den fehlenden Spuren im Schnee nach, tummeln sich hier zu dieser Jahreszeit keine Menschen, dafür hat es Murmeli en masse. Auf dem Weg fährt man noch durch eine beeindruckende Galerie für die Skifahrer. Überhaupt wimmelt es hier von Spuren der Wintersportindustrie. Seien es Speicherseen für die Schneekanonen oder gewalzte Abfahrtspisten, die Gegend ist im Sommer nicht sehr schön anzuschauen.

Das Schafälplital tut seinem Namen alle Ehre, treffe ich doch auf zwei Schäfer, die hier Zäune stellen. Der Hund will mich trotz Gebelle zum Glück nicht beissen. Es folgt der herausforderne Singletrail hinunter zum Älplisee (2156m). Die Tourenbeschreibung liess Schlimmstes befürchten (gutes Gleichgewichtsgefühl, Trittsicherheit, Sturz nicht erlaubt, absolute Bikebeherrschung, Schwindelfreiheit).

In der Realität ist alles halb so schlimm, weil die Talflanke zu wenig steil ist um gleich zu Tode zu fallen. Trotzdem bleibt der Trail eine fahrtechnische Herausforderung mit hohen Absätzen, Blöcken und tiefen Furchen. 90% ist aber fahrbar und vor dem Seeli kommt richtige Trail-Flow-Stimmung auf. Nach einer kurzen Tragepassage (100m) fährt man rasant nach Arosa (1775m) ab. Am Obersee (1734m) geniesse ich im Restaurant einen grossen Salatteller.

Es folgt nun ein super Höhenweg hoch über dem Tal in leichter Steigung hinauf zur Ochsenalp (1936m). Immer wieder gibt es grandiose Blicke ins Schanfigg. Die Abfahrt nach Tschiertschen (1516m) via Löser ist Fun pur. Hier steht der dritte Berg am heutigen Tag an. In brütender Hitze kämpfe ich mich 500 Höhemeter auf das Churer Joch hinauf. Nach dem Restaurant Hünerchöpf musste ich die ansonsten hervorragend genau GPS-Route verlassen und auf einer neuen Bikestrecke einige Meter Höhe nach Gruoben hinunter verlieren, um dann den Schlusshang zum Joch zu nehmen. Hier zeigt sich wie genial Singletrails sein können, wenn sie mit Blick auf Mountainbiker gebaut werden.

Das Restaurant Churer Joch ist eines der wenigen die Heute geöffnet haben. Bei einem guten Aprikosenkuchen gibt es Small Talk mit dem Besitzer und zwei anderen Bikern. Das Wetter ist um 1600 Uhr immer noch sehr gut und die Weitsicht atemberaubend. Der Downhill zur Lenzerheide ist dann vorwiegend Asphalt und Schotter, was meine müden Beine verdanken.

Fazit: Nebst den Rund um den Nationalpark (Achtung 3.5mb .pdf Broschüre) Etappen war diese Tour mit Abstand das Beste was ich bisher gefahren bin. Der Höhenweg von Arosa zum Churer Joch ist traumhaft. Das Rothorn ein Erlebnis und wenn man die Bahn nimmt auch keine Hardcore – Tour mehr. Zu dieser Jahreszeit sind die Magerwiesen in voller Blüte. Wunderschön! Super!

Mit 6:30h Fahrzeit habe ich rund 1h länger als angegeben gebraucht. Diese dürfte ich im Rothornaufstieg und in den Schneefelder verloren haben. Dass in der Tourenbeschreibung nichts über Schiebepassage beim Rothornaufstieg steht, finde ich nicht gut. Dafür stimmen die Angaben zu den Fahruntergrund: 42% Schotter, 20% Waldweg/Feldweg, 10% Singletrail. Mit diesen Zahlen muss die Tour einfach gut sein.

Mit der Rothornspitze (2865m) habe ich nach dem Pass Chaschauna (2694m) einen neuen Höhenrekord erreicht. Wahrscheinlich war dies auch die Tour mit den meisten Höhenmetern (2266m).
Statistik: 56.2 km, ca. 2277 Höhenmeter, Fahrzeit 06:34 h

9 Kommentare zu “Die Schafälplitrail Tour !

  1. marco
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    hey, habe die gleiche Tour gestern auch gemacht (8.9.2014) 😉
    bin auf deinen Blog gestossen weil ich nach Erfahrungen zu dieser Tour gesucht habe.

    Ich fand die Tour sehr schön und imposant. Aber sie war verdammt hart 🙄
    Der Uphill richtung Rothorn, war scho deftig! Die hälfte konnte man ja fahren oder 2/3, aber am schluss die ganzen Schiebepassagen war sehr mühsam, und ich war komplett kaputt 🙄 die dünne Luft hat mir dann noch den Rest gegeben.
    Ich habe ja nichts gegen schiebepassagen, aber das war schon recht krass.
    Aber danach wurde es lustig, die Abfahrt von Rothorn in Richtung Schafälplital, dieser Trail war super, allerdings hatte ich durch einen Fahrfehler einen Sturz hingelegt :mrgreen: diese tiefen langen Rillen, zum Teil terrassenartig wurde mir zum verhängnis, zum Glück nur ein paar Prellungen und Schürfungen abbekommen. Sonst wär ich dort ziemlich verloren gewesen, kein Mensch weit und breit. Ab Arosa der Höhenwag war super, aber danach kamen doch noch viele Höhenmeter dazu, und ich bin exakt nach GPS gefahren und dieser einte Singeltrail ca. 1.5km lang, in Hanglage richtung Bergasthaus Jochalp, war auch total unfahrbar. Und so schmal das ich echt mühe hatte mein Bike neben mir her zuschieben. Dort wär ein Sturz doch recht fatal gewesen da es links doch recht steil runter ging. Keine Ahnung wer das fahren kann ❓
    Fazit: wirklich eine schöne Tour in einer tollen Kulisse. Aber ultra ansträngend! Und ich bin schon längere Touren gefahren. Aber die war schon echt krass. Vorallem der Aufstieg zum Rothorn und die dünne Luft dazu hat mich doch sehr gekillt. Mein Sturz wär vermeidbar gewesen, aber ist halt schnell passiert. Aber für meinen Geschmack doch zuviele und lange Schiebepassagen, die in die Routenbeschreibung hinein gehören.

    1. Spoony Artikelautor
      Antworten

      Danke Marco für das Update – meine Tour ist ja schon einige Jahre her.
      In meinem Bericht brauche ich ja Worte wie ’sackhart‘ und ‚eine Qual‘, was sich mit deiner Beschreibung doch ziemlich deckt. 😉 Im Idealfall nimmt man natürlich die Bahn aufs Rothorn.
      Die tiefen Rillen runter nach Arosa sind wirklich tricky und ich hatte damals auch so meine Probleme damit.
      Zum Joch habe ich den Hang via Gruoben gequert. Ich erinnere mich ebenfalls an Schiebepassagen, war aber nicht so schlimm, dass ich es im Text erwähnt hatte. In jedem Fall definitiv eine heftige Tour, dafür aber auch mit tollen Ausblicken und viel Erlebnisfaktor – ich halte sie in guter Erinnerung.
      Ich muss wieder mal auf die Lenzerheide! 😉

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