Gedanken zum Mountain Bike Magazin !

Heute hatte ich den einzigen freien Abend der Woche und so genoss ich diesen bei schönstem Wetter im Tramdepot mit Blick auf die wunderbare Altstadt und den Bärenpark samt Bären und Jungtieren. Nicht fehlen durfte ein Märzen Bier, ein Bretzel und etwas MTB Lektüre in Form des Mountain Bike Magazins 08/10. Heute hatte ich Lust und Zeit die Zeitschrift nicht nur durchzublättern, sondern mir einige Gedanken dazu zu machen. Folgende Dinge sind mir aufgefallen:

1. Sprachrohr der Bikeindustrie: Dieser Vorwurf wird den Deutschen Bikemagazinen oft gemacht und trotzdem scheinen sie sich ziemlich gut zu verkaufen. Ich würde es eher anders formulieren: In typisch europäischer Eigenschaft ist die MTB Presse technophil und statistikbegeistert. Es scheint als glaube man der Excel-Tabelle aus Hunderten von Testwerten eher als dem Fahrgefühl im Praxistest. Dies ist ein fundamentaler Unterschied zur Bikepresse in der USA, die geprägt ist von Geschichten, Menschen und Gefühlen.

2. Wenig Emotionen: Das führt gleich zum nächsten Problem. Dem Magazin fehlt es an Emotionen, es fehlt an Ich-Journalismus, es fehlt an Meinungen, es fehlt an Bikekultur und -politik. Irgendwie schade, ich habe die ausgeflippten Berichte der US-Magazine geschätzt; da werden tragische Stories, echte Gefühle und traditionelle Bikekultur gelebt und beschrieben. Unsere Magazine lesen sich oft wie aufgemotzte technische Bedienungsanleitungen mit zugegebenermassen perfekten Bildern.

3. Systemintegration: In diesem und dem nächsten Jahr geht die Systemintegration der grossen Hersteller wie Specialized kräftig weiter. Da frage ich mich, ob ich mir das Schrauberwissen nicht zum falschen Zeitpunkt angeeignet habe. Wenn es so weiter geht, gibt es kaum noch Standards für auswechselbare Parts und in Zukunft lässt sich am Bike auch nicht mehr viel selber schrauben.

4. Peter Denk: Nachdem es etwas ruhiger wurde um Peter Denk ist nun der Wechsel von Scott zu Cannondale auch optisch an den Bikes sichtbar. Das Cannondale Jekyell scheint mir doch ziemlich in der Nähe des Scott Genius zu sein. Ich bin gespannt ob das eierlegende Wollmichsau-Bikekonzept erneut funktioniert. Der ultrakomplexe Hinterraddämpfer weckt bei mir Erinnerungen ans Genius. Da bleibt nur zu hoffen, dass ohne Profi-Boxencrew für das Setting eine normale Ausfahrt noch machbar ist.

5. Teurer: Die Bikes knacken locker die 7000 EUR Grenze und bei den getesten Karbon-Laufrädern spricht man schon mal von 2000 EUR. Da ist es nur logisch, dass mittlerweile Vollkasko-Versicherung wie beim Auto angeboten werden. Es fragt sich nur was den da versichert wird – schliesslich gibt es selten Unfälle, dafür umso mehr gebrochene Rahmen und Parts beim ’normalen‘ Gebrauch des Fahrrades.

6. Scott Scale 899: Liebe Jungs (und Mädels) von Scott. Ich lese, dass ihr eine Gewichtsgarantie auf die Rahmen gebt und alle schwereren Rahmen aussortiert. Also ich hätte da Interesse an einem ‚Ausschussrahmen‘ welcher durch die Toleranz fällt und 900 Gramm wiegt. Ich würde euch den Karbonschrott kostenlos abnehmen. Natürlich hätte ich noch mehr Interesse an einem Scale 29er für 950g statt 949g. Ich könnte mit dem Zusatzgewicht gut leben. Euer Spoony… 😉

Und sonst ? Der Bericht von der Bikeproduktion aus Taiwan ist ein Beispiel wie unkritisch und undifferenziert über die Bikeindustrie berichtet wird. Schade – diese Reportage hätte das Potential für einen guten und differenzierten Hintergrundsbericht zur Mountainbike-Produktion gehabt. Dafür haben mir die Tourenberichte aus der Schweiz und aus Ischgl gefallen. Hier gibt es wenig auszusetzen und man bekommt viele nützliche Informationen für mögliche Touren. Und dann gab es noch einen kitzekleinen Kasten zum IF Ti Deluxe 29er – ein Ti29 in der deutschen Bikepresse – nicht schlecht…

9 Kommentare zu “Gedanken zum Mountain Bike Magazin !

  1. Pingback: 29er in der Bike Sport News ! | Spoony's Bike Blog

  2. seppibucher
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    Mein Freund Geri nennt die Bikeheftli Bikeporno. Ich finde auch, all die Testerei bringt nur etwas, wenn man ein neues Bike kaufen will, und das ist ja nicht so häufig. Die Testberichte sind eher gut, aber nicht so gut wie in Führern oder Blogs.
    Blogs sind aktueller und emotionaler, und man kann ja sogar noch Stellung nehmen! Aber Blogs müssen geschrieben werden. Deshalb herzlichen Dank an spoony, Chregu und all die andern.

  3. hipster
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    Na ja. Es macht wenig Sinn über dieses einzelne Heft zu wettern. Die deutschsprachigen Magazine sind inhaltlich und emotional alle in etwa identisch. Dazu gehört meiner Meinung sowohl das von Thomas erwähnte Freerider wie auch das schweizer Magazin Ride. Diese Zeitschriften sind aber auch Ausdruck der deutschsprachigen Bikeszene. Nicht mehr und nicht weniger. Wir sind nämlich so. Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, das die frankophonen Biker sehr viel unverkrampfter sind und viel mehr Freude an der Sache haben wie am Material. Ich spreche -wohlverstanden- von den 08/15 Bikern. Nicht von den Cracks.

  4. Thomas
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    Als ich letzte Woche die Zeitschrift gelesen hatte, sprach mich mal wieder kein Thema wirklich an. Einzig die Touren Beschreibungen finde ich lesenswert.
    Die Tests sind wie schon geschrieben sehr Zahlen lastig. Gut die Zeitschrift versucht viele Bike Typen abzudecken (CC/Tour/Enduro/All-Mountain) evtl. daher eher Fakten als „Emotion“.

    Mittlerweile lese ich lieber das Freeride Magazin (http://www.bike-freeride.de), das macht mehr Spass und erscheint nicht jeden Monat.

  5. Ralph
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    Stimmt alles haargenau!! Es ist erschreckend wie alles immer wieder zwischen Tests und Werbeanzeigen passt 😥 Ich gebe auch MTBTier recht!! Ich hole mir über Bikes und Zubehör lieber die Meinungen aus den Blogs.

  6. Mark
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    lustig, auch ich hab gerade das Abonnement von diesem Magazin gekündet..nach einigen Jahren steht irgendwie immer das selbe drin, all diese Tests mit all dem technischen super-Equipment. Wirklichen Mehrwert generierte dieses Magazin bei mir schon lange nicht mehr.

  7. MTBTier
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    Genau deshalb kaufe ich mir diese Zeitschriften nicht mehr. Die sind so stark auf die Werbeeinnahmen angewiesen, dass sie regelrecht herstellerhörig geworden sind. Man muss nur mal die Anzeigendichte der Testsieger in den Journalen beachten.
    Für emotionale Bike-Berichte gibt’s im deutschsprachigen Raum fast nur Blogs.

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