Auf den höchsten Berg des Juras – Crêt de la Neige !

Welches ist der höchste Berg des Juras? Die Crêt de la Neige, 1720m! Wieso weiss fast niemand die Antwort auf diese Frage? Dem Grund wollte ich heute auf den Grund gehen. Ich muss am Sonntag in Genf arbeiten. Zum Glück lässt sich an diesem langen Tag eine ausgedehnte Feierabendrunde einbauen. Ich parke das Auto auf Schweizer Boden in Les Granges und bin in 10 Minuten über die grüne Grenze im französischen Thoiry.

Vor mir liegen 1316 Hm Aufstieg am Stück! Da will man es langsam angehen und entsprechend schleicht es sich die ersten Höhenmeter rauf bis Le Tiocan. Hier folge ich der alten Asphaltstrasse, die auf einer Länge von fast 25km die Flanke des gesamten französischen Teils des ersten Jurazuges quert. Der Weg will nicht enden, ist dafür abwechslungsreich, schattig und die Aussicht ist toll. Oberhalb Chez Buffet führt ein breiter Schotterweg weiter nach oben.

Der Anstieg ist angenehm, aber laaaang! Endlich bin ich über der Waldgrenze und habe freien Blick auf die Landschaft. Hier befindet sich das kleine Skigebiet von Crozet. Unterhalb des Col de Crozet halte ich links, quere den Skilift, schiebe einige Höhenmeter und traversiere die Bergflanke zurück in Richtung Westen.

Die Gegend wird wilder und verlassener. Bei der Alp La Calame treffe ich auf einen wortkargen Schäfer, eine Schafherde und einem aufmerksamen Herdenschutzhund, der sich mir demonstrativ in den Weg stellt. Ich steige vom Mountainbike und rede dem Hund auf französisch gut zu bis er mich passieren lässt. Anschliessend wird der Weg richtig grob und einige Abschnitte sind mit müden Beinen nicht fahrend zu bewältigen. Wir befinden uns in einer Wildschutzzone des Naturreservates des Haute-Jura und je nach Jahreszeit ist die Durchfahrt wohl nicht erlaubt.

Bei Thoiry devant öffnet sich die karstige, zerklüftete Landschaft, welche den Gipfelbereich rund um die Crêt de la Neige prägt. Ich wuchte das Mountainbike die letzten Höhenmeter auf die Krete bei sur Thoiry hinauf und gehe zu Fuss weiter. Der Gipfel und der letzte Kilometer ist definitiv nicht bebikebar. Aber wo ist er denn, dieser Berg? Ich befinde mich in einem Wirrwarr aus Kalkfelsformationen, Gräben, Büschen und vom Wetter gezeichneten, knorrigen Bäumen.

Doch schliesslich stehe ich auf dem Gipfel, einem kleinen Felsen, der nur knapp aus der Umgebung ragt. Das Gipfelkreuz wurde durch Pfadfinder neu gebaut und liegt mangels Verankerung am Boden. Daneben ein kleines Schild – Crêt de la Neige, 1720m.

Kein Vergleich zu einem La Dôle oder einem Chasseral, die auf grosse Distanz ins Auge fallen und als echte ‚Berge‘ durchgehen. Dafür gibt es hier keinen Ausflugstrubel, sondern einfach Stille und die Geräusche der Natur. In Richtung Westen geht die Sonne unter und in der anderen Richtung sonnt sich stolz der Mont Blanc im Abendlicht.

Kein Wunder wurde bis vor wenigen Jahren der markante Gipfel des benachbarten Le Reculet als höchsten Punkt des Juras gehalten. Erst 2003 wurde Nachgemessen und die Crêt de la Neige aufgestockt. 😉 Ich verweile noch länger auf dem Gipfel, esse eine Dose Thunfisch (da werden Erinnerungen an die Kindheit wach) und geniesse den Moment.

Leider habe ich im Netz keine wirklich guten GPS Tracks für die Abfahrt gefunden. Tatsächlich gibt es viele Wege in der unteren Hälfte des Waldes, jedoch habe ich keine Lust hier im französischen Niemandsland zu später Stunde auf Trailscounting zu gehen. Also Plan B – Direttissima! Von Thoiry devant fahre ich ein extrem steiles Strässchen in Falllinie runter nach Tiocan. Glühende Bremsen sag ich da nur!

Das war wieder mal eine Entdeckertour nach meinem Geschmack und etwas Stolz schwingt schon mit, den höchsten Berg des Juras mit dem Mountainbike bezwungen zu haben. Nun kann ich bei der Arbeit in Genf immer wieder mal den Blick in die Ferne schweifen lassen und sagen – „Dort oben war ich schon“. 😉

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Statistik: 49.7 km, ca. 1641 Höhenmeter, Fahrzeit 5:05 h

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