Bormio: Die Bormio 3000 – Valfurva Panoramatour !

Die Familie ist wieder zu Hause und ich profitiere von drei Tagen Mountainbike Zeit für mich und mit mir selber. Da ich schon mal in Samnaun war, suchte ich mir Bormio als neue Mountainbike-Base aus. Inspiriert vom Buch dynamite Trails Band 2 will ich hoch hinaus, solange noch schönes Wetter ist. Noch bevor die erste Gondel fährt, bin ich auf dem Parkplatz der Bergbahn. Da bleibt Zeit um den Bremsbelag am Vorderrad zu wechseln. Der Ticketkauf ist ein Muster italienischer Effizienz (Sarkasmus). Für 15 EUR eine Fahrt von 1225m auf 3012m inklusive Bike geht schwer in Ordnung!

Auf Bormio 2000 (1952m) gibt es eine Pause und wir steigen um in die ‚White Lady‘ Gondel zur Cima Bianca hoch. Das Gelände ist im Sommer ein Bikepark mit sieben Downhillpisten. Mir steht mehr nach der legendären Freeride Tour nach Santa Caterina Valfurva. Im Internet gibt es einige Referenzen: Dynamite Trails – Freeride Giro; MTBR Bormio 3000 Freeride; BormioBike Freeride. Bei diesem Bekanntheitsgrad erstaunt es nicht, dass die Gondel mit Bikes gefüllt ist. Mehr erstaunt die Tatsache, dass ich einer der Wenigen ohne E-Bike bin. 🙁

Auf knapp über 3000m angekommen, muss ich erst Luft holen und das Panorama in die vier Himmelsrichtungen geniessen. Die Bergstation ist ziemlich hässlich auf die Spitze des Schotterberges gebaut. Dafür sind die Panoramen umso schöner. Los geht’s! Zuerst muss ich den Einstieg in den Trail suchen – vor lauter Geröll sieht man den Weg nicht.

Fahrtechnisch geht es von Null auf Hundert. Das kommt davon, wenn man auf 3000+ Meter gondelt. Der Weg ist hochalpin und Stürze auf die scharfkantigen Steine sind keine gute Idee. Die gröbsten Steine wurden sichtbar aus dem Weg geräumt und so ist trotz der Höhe der Weg runter zu den Laghetti mehrheitlich fahrbar.

Die beiden Seen sind eine echte Pracht. Die e-Biker haben längst das Weite gesucht und ich stehe alleine in der grandiosen Bergwelt. Insbesondere der untere See erstrahlt in einem milchigen Gletschertürkis und konkurriert mit dem blauem Himmel. Natürlich muss der See für einige Fotoaufnahmen herhalten.

Weiter geht es über steinige Wiesen runter zum Bocca di Profa (2662 m). Ab hier geht es der rechten Talflanke des Val Sobretta entlang. Der Singletrail ist mal flowig leicht, mal anspruchsvoll technisch. Die Höhe zehrt selbst bergab an den Kräften und die eine oder andere Steilstufe ist für mich nicht fahrbar.

Etwas überraschend quert der Weg eine weitere Talflanke, dies leicht ansteigend. Der Aufstieg durch Kuhwiesen ist ziemlich ruppig und nicht fahrbar. Ich schiebe bergauf, während meine Lunge den Sauerstoff in der Luft sucht. Zum Glück ist der Abschnitt nur kurz und schon bald steht man hoch über dem Valfurva. Während die Originalstrecke runter ins Tal führt, bleibe ich auf dem Höhentrail. Dieser quert die ganze Bergflanke des Monte Sobretta bis auf die Höhe von Santa Caterina.

Das obige Bild beschreibt den Charakter des Singletrails ganz gut. Unten links das Valfurva mit Santa Caterina, hinten in der Verlängerung das Valle di Cedèc mit der Ortlergruppe. Der Trail ist schmal und etwas verblockter als er auf dem Bild aussieht.

Vor dem Skigebiet von Santa Caterina schneidet sich der Torrente Rio Sclanera durch den Berghang. Während der Mountainbike-Track auf allen Karten nun steil bergab weist, liegt im Gelände ein wunderbar neu geschaufelter Weg. Dieser behält die Höhe und führt direkt auf die Skipisten (2220m) unterhalb des Dosso Sobretta. Über teils sehr steile Skipisten fahre ich runter nach Santa Caterina (1756m). Wahrscheinlich könnte man die letzten 450 Höhenmeter auch besser vernichten.

Im Dorf ist ziemlich viel los und es herrscht emsiges Markttreiben. Irgendwie finde ich kein geeignetes Restaurant und so ziehe ich durch und mache mich auf den zweiten Teil der Tour – hinauf ins Valle di Cedèc und danach auf einem Panoramatrail durch das ganze Valfurva zurück bis nach Bormio. Am Eingang des Seitentales zum Stelvio-Nationalparkes ist ein riesiger Parkplatz und einiges los. Zum Glück hält sich der Verkehr in Grenzen, da das kleine Strässchen nicht nur eng, sondern auch sacksteil ist. Mit letzten Kräften schaffe ich es zum Rifugio Stella Alpina (2060 m), wo mich ein rustikales Mittagessen in Form lokaler Pizzoccheri vor dem Hungerast bewahrt.

Frisch gestärkt schaffe ich es hinauf bis zum Rifugio Forni (2178 m). Das Rifugio scheint das Zentrum des Shuttle Tourismus zu sein. Um die Jeeps zu umgehen fahre ich auf dem Sentiero 530 weiter in Richtung Rifugio Pizzini. Schon bald öffnet sich ein wunderbares, gletschergesäumtes Hochtal, umrahmt vom Monte Vioz und dem Monte Cevedale.

Wer die klassische Passo Zebrù Tour macht, shuttlet sich mit Off-Road Jeeps bis zum Rifugio Pizzini (2700m). Für mich ist dies in dieser schönen Bergwelt etwas befremdlich und so bin ich froh auf 2320m in den Höhentrail zurück in Richtung Valfurva einzubiegen. Vom Rifugio Pizzini aus gäbe es übrigens ebenfalls einen Singletrail zurück zu diesem Höhenweg, aber dazu reicht heute die Kraft definitiv nicht mehr.

Im ersten Abschnitt ist der Weg einfach nur Top. Man weiss gar nicht über was man sich mehr freuen soll, den wunderbaren Höhenweg oder die Panoramaaussichten ins Valfurva. Im zweiten Teil haben Kühe dem Trail ziemlich heftig zugesetzt und ein Abschnitt führt über eine sehr labile Hangrutschung. Diesen Hang möchte ich bei nassem Wetter nicht durchqueren.

Kilometer um Kilometer fährt man der Flanke des Monte Confinale entlang, hier mal eine Alp, dort mal eine Kuh. Langsam sinkt man in die Baumgrenze und durchquert knorrige Wälder aus Flechten- und Moosbäumen.

Auf der Höhe der CiIma de Saline fällt der Weg auf kurzer Strecke von 2300m auf rund 1700m. Der Schotterweg ist dabei fast unfahrbar steil. Keine Ahnung wie da ein Fahrzeug hochkommen soll, wenn ich mit dem Mountainbike kaum runterkomme. Auf Wald- und Wiesenwegen fährt man entlang des Berges bis zum Valle Zebrù und dem gleichnamigen Bach.

Ein Brunnen rettet mich kurzfristig vor dem Verdursten. Ich will nicht jammern, zu Hause sind sie am Schmachten. Im Gegensatz zum Hitzesommer im Schweizer Mittelland herrschen hier relativ angenehme Temperaturen von trotzdem fast 27° C. Teils auf Strassen, teils auf Singletrails fahre ich weiter in Richtung Bormio. Diese Tour will nicht mehr enden.

Am Wegrand zeigen rote Wegweiser auf weitere Mountainbikestrecken. Das Ortlermassiv ist ja berühmt für seine Militärwege aus dem ersten Weltkrieg und diese sind im Gelände bauartbedingt sofort ersichtlich. Mindestens auf der Karte und den Wegweisern spannend scheint der Militärweg zum Passo dell’Ables auf 3012m zu sein. Das sind dann locker 1800 Höhenmeter mehr oder weniger im direkten Zick-Zack den Berg hinauf.

Ich geniesse lieber noch einige kurze Singletrails und fahre auf den flowig weichen Wegen des Pedemontana della Reit Bormio entgegen. Ganz zum Schluss zacken nochmals einige Singletrails durch den lichten Wald bis mich die Tour auf die Piazza von Bormio ausspuckt.

Fazit? EPISCH! Die sechs Stunden, mehrheitlich auf Singletrails und Wegen, sind anspruchsvoll. Das Panorama, die Höhentrails und über 3000 Höhenmeter abwärts sind ein Erlebnis der Extraklasse und wiegen die Anstrengung mehr als auf. Vorsicht bei dieser Tour wegen dem Hangrutschabschnitt!

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Statistik: 55.6 km, ca. 1392 Höhenmeter, Fahrzeit 5:55 h, ca. 3172 Höhenmeter abwärts

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