Die Trütlisbergpass – Tour !

Achtung: Bilderflut – leider war die Selektion der Bilder bei dieser grandiosen Tour wieder mal schwierig und so gibt es hier eine Bilder-Overload-Warnung!

Zwei Wochen vor dieser Tour war ich auf einer Wanderung auf dem Sparemoos. Blickt man dort in Richtung Süden sieht man direkt auf den markanten Giferspitz und die umliegende grüne Landschaft – in Gedanken gehe ich die Mountainbike-Checkliste durch und bei der Recherche zu Hause stosse ich rasch auf den Trütlisberg. Swiss Meteo meldet schönes Bergwetter und so lege ich spontan einen Freitag am Freitag ein.

In der Region gibt es einige Touren, zB die offizielle Trütlisbergbike 891 ab Gstaad oder die Ride Trütlisbergpasstour ab der Lenk. Ich wähle letztere, die Weicheivariante, und starte bei der Talstation (1078m) der Betelberg Bahn. In einer durchaus witzigen Erlebnisgondel überwinde ich knapp 900 Höhenmeter bis zum Betelberg (1946m). Ich bin bewusst früh unterwegs und so reicht es für ein Frühkaffee im Bergrestaurant.

Hinter der Hütte führt eine einfach zu befahrene Wanderautobahn entlang des Leiterli in Richtung Stübleni. Ich kenne die Region nur vom Skifahren im Winter und staune über die schöne Region. Das Gras leuchtet frischgrün vor dem blauen Himmel und ich bin erstaunlicherweise alleine unterwegs. Der Frühling ist noch nicht lange eingezogen und entsprechend viele Bergblumen blühen am Wegesrand. Ein Fotohalt folgt dem anderen.

Der südliche Weg ums Stübleni scheint mir fahrbarer als die Direttissima. Soll ich einen Abstecher in Richtung Stüblenipass und Stigellegi / Tungelpass an den Fuss des Wildhornmassivs machen? Auf der Karte ist der Weg verlockend, in der Realität liegen noch einige kleine Schneefelder und so lasse ich den Ausflug sein. Bis zum Stübleni rauf muss das Mountainbike kurz geschoben werden.

Vor mir liegt nun eine geologische Besonderheit, die Gryden. Die ganze Gegend ist Kraterlandschaft aus Gipsdolien. Entfernt erinnert mich die Szenerie an Eindrücke aus dem Yelllowstone. Natürlich brodelt hier nichts in der Erde und die zahlreichen weissen Löcher sind maximal mit kühlem Altschnee gefüllt. Der spektakuläre Wanderweg führt auf dem Grat mitten durch die Krater und wer Mut und keine Angst vor tiefen Löchern hat, kann den einen oder anderen Abschnitt vielleicht fahren. Schieben ist trotzdem empfehlenswerter!

Auf dem Weg finden sich einige Stelen mit zusätzlichen Informationen zu diesem Naturschauspiel. Bei der Schutzhütte (2048m), ein lustiges Minichalet auf dem Berg, halte ich erneut inne und geniesse das grandiose Panorama. Ein Singletrail führt hinüber zum Trütlisbergpass, der Lauenen – Gstaad mit der Lenk verbindet.

Weiter entlang der steilen Flanke der Tube und nochmals kurz das Bike geschoben, bevor man zum Türli (1986) abfährt, ebenfalls ein kleiner Pass. Die Flurbezeichnungen sind dabei etwas wirr, unterhalb des Passes ist nun der Trütlisberg, welcher eher ein Talkessel, den ein Berg ist.

Die Szenerie ist umwerfend. Vor mir liegt das wunderbar grüne und relativ unberührte Turbachtal, links Louwenehore und Giferspitz, rechts der langgezogene Rücken des Wistätthore. Ich setzte mich mal hin und geniesse – die Blumenpracht, die Ruhe, das Panorama! Ein Singletrail führt nun rechts auf halber Flankenhöhe dem ganzen Tal entlang. Ich bin gespannt.

Auf der Singletrailmap ist der Weg schwarz eingezeichnet und ich kann das angesichts des braunen Bandes im sanften Wiesenhang nicht richtig glauben. Zu Beginn müssen einige Höhenmeter zum Oberen Trütlisberg überwunden werden. Ich liefere mir ein kleines Rennen mit dem Landwirt, der auf einem sehr langsamen Gefährt ebenfalls zur Alp aufsteigt – und gewinne! 😉

Die ersten Kilometer machen einen perfekten Eindruck. Kein Wunder, treffe ich doch später auf der Höhe des Rüwlishore auf den Arbeiter, der seit einigen Tagen mit dem Wegunterhalt beschäftigt ist. Was soll ich da sagen – einfach nur TOP! Ich danke ihm recht herzlich für den toll hergerichteten Weg und als dieser später wie mit dem Massstab gemäht scheint, muss ich etwas über die Schweizer Perfektion schmunzeln.

Im folgenden Abschnitt wird der Singletrail etwas schmaler und manchmal etwas ruppiger. Es hat zudem einige ausgesetzte Stellen, die eine gewisse Fahrsicherheit voraussetzen und wohl die schwarze Beurteilung motiviert haben. Der Weg endet bei der Zwitzeregg, ein interessanter Namen für diese Region. Hier öffnet sich nun der Blick gegen Norden in Richtung Gastlosen.

Die schönen Landschaften liefern sich auf der heutigen Tour einen Wettkampf. Auf dem Rüwlispass (1718m) steht man inmitten einer voralpinen Sumpf- und Moorlandschaft, inklusive der prachtvollen Flora. Eine kurze Abfahrt und nach dem Hof Altläger geht es in den nächsten Trail, der sich abwechslungsreich durch den Wald schlängelt.

Der Wanderweg endet auf einer gemähten Alpwiese, dem obere Chatzestalde (1617m). Zeit für eine Zwischenverpflegung. Wie auf einem Balkon sitzt man hoch über Matten und hat vor sich das Panorama der Spillgerte und des Albristhore ausgebreitet. Episch…

Die Tour durchquert das Dürrebachtobel und hat dann nur noch eines im Sinn – auf steilen und steilsten Wegen möglichst rasch runter ins Simmental und zurück in die Lenk. Mit etwas Fahrtechnik und einem absenkbaren Sattel sind die Abschnitte mehrheitlich fahrbar. Dabei sollte man immer wieder kurz aufschauen um das Panorama des majestätischen Wildstrubels nicht zu verpassen.

Fazit: Ich glaube jeder Kommentar erübrigt sich und man spürt die Begeisterung über diese fast 100% Singletrailtour. Wer Lust hat auf mehr, kauft sich eine Tageskarte bei der Betelbergbahn (35 CHF, Einzelfahrt 27 CHF, Bike Tageskarte 5 CHF) und hängt noch eine Abfahrt durchs Wallbachtal an oder fährt mit Muskelkraft via Pöschenried den Berg hoch oder testet den Flowtrail durch den Summerwald. ich kehre sicher nochmals zurück!

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Statistik: 23.5 km, ca. 527 Höhenmeter, Fahrzeit 3:06 h

3 Kommentare zu “Die Trütlisbergpass – Tour !

    1. Spoony Artikelautor
      Antworten

      Danke für den Link und deinen schönen Beitrag, der bei mir beim erneuten Durchlesen in den tiefen des Hirns Assoziierungen weckte. Leider fand Google deinen Bericht bei der Recherche nicht, oder mindestens nicht in den ersten 10 Hits. In jedem Fall eine gute Tourvariante für Nichtgondelfahrer oder wer den ’schwarzen‘ Trail umfahren will. Glücklicherweise hatte ich zudem fast keine Wanderer – Früh aufstehen und die Wochenende meiden!

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