Die Tour zum Lac de Salanfe und seinen Minen !

Letzter Tag in Vernayaz, am 1. August muss ich wieder bei der Familie sein. Nach den gemütlichen Hotelnächten und einem ungenutzten Zelt im Auto muss ich unbequemer schlafen. Ziel ist die Col du Jorat Tour mit einem Zwischenstopp in der Auberge de Salanfe. Das Auto parkiere ich am Bahnhof von Vernayaz, 24 h limitiert, das wird nicht ganz reichen, aber ich riskiere es mal. Der Mont-Blanc Express spart mir erneut 580 Höhenmeter und ich steige in Les Marécottes (1032m) aus.  

Der Zugang zum Lac de Salanfe führt über das Vallon de Van, welches geografisch nahe bei Vernayaz liegt und dennoch nur sehr schwer zugänglich ist. Zum Glück wurde von 1938 – 1944 die Route de Van relativ spektakulär in die steile Bergflanke gebaut. Der Anstieg ist angenehm und problemlos, einzig der Morgenverkehr ist auf der schmalen Strasse etwas ärgerlich. Beim Felsentunnel ist der Zugang ins Tal bereits geschafft.

Vorgängig gibt es einen epischen Blick runter nach Vernayaz und ins Walliser Knie bei Martigny. Auf der gegenüberliegenden Seite thronen die Dents de Morcles und der Montagne de Fully, kein Unbekannter für Mountainbiker. Die Strasse quert den Bach Salanfe, welcher einige Hundert Meter weiter unten für den Wasserfall der Pissevache sorgt. Für Wanderer ist der historische Weg durch die Gorges du Dailley sicher eine erlebnisreiche Abkürzung. Mich interessiert das nächste Mal eher der alte Saumweg, welcher oberhalb der Route de Van ins Tal führt – könnte fahrbar sein.

Die Auberge du Vallon de Van grüsst am Taleingang unübersehbar den Mountainbiker und fordert zwingend zum Kaffee auf. Nach dem kleinen Zwischenstopp führt das Strässchen in moderater Steigung in den Talkessel hinein. Der Weiler Van d’En Haut kommt mit seinem alten Dorfweg besonders urchig daher. Am Ende des Tales herrscht auf dem gut besetzten Campingplatz (1394m) emsiges Treiben. Kein Bedauern meinerseits hier das Zelt nicht aufgeschlagen zu haben, der Platz wird von den schattigen Felswänden fast erdrückt.

Fünfhundert Meter weiter steht man vor einer mächtigen Felswand und kann kaum glauben, dass hier ein Weg raufführt. Eine Barriere und vier Verbotsschilder schrecken bestmöglichst vom Weitergehen ab. Ich verstehe, dass in Zeiten in denen auch in der Schweiz Gemeinden verklagt werden gefährliche Wege gesperrt werden. Trotzdem wäre es besser gewesen einfach nur den unteren Satz stehen zu lassen und auf die Gefahrenursache (Steinschlag) hinzuweisen. Für Mountainbiker gibt es sowieso keinen Plan B und das Schild scheint auch heute niemanden wirklich zu interessieren. Vor dem Effort besichtige ich noch die Ruinen der ehemaligen Seilbahn, welche Kies für den Bau der Staumauer transportierte.

Hatte ich gestern gedacht, das Strässchen zum Vieux Emosson sei steil, werde ich heute eines Besseren belehrt. Hier ist es genauso steil, aber der Untergrund besteht aus verwittertem Asphalt und Schotter. Mein Ziel: Alles Fahren! Das geht nur, indem ich in jeder Kurve anhalte, die Linie wähle und dann bis zur nächsten Kurve durchdrücke, was den Puls sofort in die Stratosphäre jagt. Trotzdem echt spassig, umso mehr der Weg ein Erlebnis für sich ist. Immer wieder erstaunlich, was aufstiegsmässig so alles machbar ist – mit einem e-Bike wäre das hier wohl ein Traum. Kurz vor dem Ziel muss ich leider trotzdem auf einem längeren Schotterabschnitt gut hundert Meter schieben. 

Ein letzter Blick zurück ins Vallon de Van, bevor der Weg um die Kurve biegt und die mächtige Staumauer des Lac de Salanfe ins Bild rückt. Der Rest des Weges bis zur Auberge (1952m) ist wieder fahrbar, wenn auch nicht ganz einfach. Die Mauer selber scheint mir etwa 10m zu hoch, oder aber der Seespiegel ist schon länger nicht mehr auf Mauerhöhe gestiegen.

Auf der Terrasse geniesse ich bei Cola, Bier und einer Walliser Rösti mit Spiegelei den geschafften Aufstieg und die wunderbare Aussicht auf den Bergsee. Der Lac de Salanfe hat einer interessante Entstehungsgeschichte. Von 1950 – 52 wurde die mächtige Staumauer hochgezogen. Die täglich notwendigen 2000 Tonnen Beton wurden vor Ort produziert und mit einer talüberspannenden Seilbahn auf die Mauer verteilt.

Der Tag ist jung und weil ich heute in der Auberge übernachte habe ich Zeit um die Gegend zu erkunden oder zu scouten, wie man modern sagen würde. Der Talkessel des Lac de Salanfe ist imposant: Ein grünblauer See, eingerahmt von Dents du Midi, Tour Salière und Le Luisin. Kein Wunder spricht man vom ‚Le Cirque de Salanfe‘. Auf dem Uferweg fahre ich bis ans Seeende, dorthin wo die Wasserfassung der 4 km entfernten Susanfe aus dem Berg quillt. 

Über die geröllige Schwemmebene gibt es keinen Weg und angesichts einer Kuhherde und Schiebepassagen verzichte ich auf das Abenteuer und fahre wieder zurück in Richtung Hotel. Rechts neben dem Hotel die ‚Bergstation‘ der Standseilbahn der Kraftwerke, welche entlang der Druckleitung die 1472 Höhenmeter runter ins Kraftwerk Miéville überwindet und ebenfalls einen wintersicheren Zugang zur Staumauer bietet. Daneben die kleine Schutzkapelle. 

Auf der anderen Seeseite geht es weiter über die Staumauer, welche 2013 wegen Betonblähungen saniert werden musste. 😉 Dazu wurde die Mauer ‚eingeschnitten‘ und mit Fugen versehen. Hoffentlich wissen die Ingenieure was sie da tun – ist in jedem Fall ein komisches Gefühl darauf zu stehen und davon zu lesen. Am anderen Ufer führt ein Karrweg weiter bis in die Seehälfte, wo ich das Mountainbike in einem Busch deponiere.

Zu Fuss geht es hinauf durch das Revers des Ottans bis zu den alten Arsen- und Goldminen von Salanfe (2195m). Dabei sind die Eingänge zu den Stollen gar nicht so leicht zu finden, wenn da nicht die gut sichtbaren typischen Abraumhalden wären. Ich verzichte auf längere Erkundungen mit meiner Minitaschenlampe. Bei den brüchigen Minenstollen ist dies sowieso nicht empfehlenswert. Der Abenteuerfaktor steigt trotzdem auf 100%. 😉

Die Arbeit in den Minen 2200m Höhe muss sehr hart gewesen sein. An Tagen wie diesen hatten die Arbeiter wohl trotzdem die Aussicht genossen. Die Mine wurde von 1904 – 1928 betrieben und förderte total 709t Arsen und 53kg Gold. Mit tiefen senkrechten Stollen wurden die Adern erschlossen und das Schürfgut über 40 bzw 152m lange waagrechte Stollen abtransportiert. Dabei will ich gar nicht wissen welche Mühe es machte, den Ertrag mit Karren und Maultieren ins Tal zu transportieren. Faszinierend ! 

Neben der Mine hat man eine tolle Aussicht zum Lac des Ottens, der in magischem Türkis in die Alplandschaft leuchtet. Dahinter der Le Dôme mit dem sterbenden Glacier Noir, geteilt in einen oberen Teil und einen unteren Teil mit Todeis. Vor der Szenerie die Vereinshütte der Minenfreunde, die sich in der ehemaligen Kantine eingerichtet haben. Ich wähle erst einen ausgesetzten Wanderweg entlang der Felsfluh, der vor einem weiteren Abbruch endet. Hier geht es nicht mehr weiter und ich vermute, dass vielleicht früher eine Materialseilbahn hierher führte. In jedem Fall ist das Panorama toll. 

Im Panorama sieht man den Col de Susanfe (2493m), die Haute Cime (3258m) welche einige Cracks mit dem Mountainbike befahren und rechts der Col du Jorat (2212m), mein Ziel morgen früh. Die Wanderung zieht sich dann noch etwas in die Länge, bis ich wieder beim Bike ankomme und zurück in die Auberge fahre.

Vor dem Nachtessen gibt es Kaffee und Aprikosenkuchen, danach geniesse ich beim Bier den Abmarsch der letzten Tagesgäste bis Zeit für den Bezug des Massenlagers ist. Die Hütte ist beinahe voll und so wird mit Zetteln sichergestellt, dass auch jeder dort schläft wo es geplant ist. Wenigstens hat es Decken und moderne Duschen. Das Abendessen gibt es in zwei Ablösungen. Trotz einem starken kühlen Wind verbringe ich den Abend vor der Hütte und geniesse die abendliche blaue Stunde. 

Die Übernachtung kostet 65 CHF inkl Halbpension und Frühstück, ein fairer Preis obwohl ich nicht so toll geschlafen habe. Ich bin langsam zu alt für voll belegte Massenlager. 😉 Die Hütte hätte übrigens auch einige Zimmer – waren leider alle ausgebucht.

So, wer bisher gelesen hat – ein wunderbarer Talkessel und ideal für einen Bike & Hike, empfehlenswert! Morgen geht es über den Col du Jorat zurück ins Tal.

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Statistik: 24.7 km, ca. 1359 Höhenmeter, Fahrzeit 4:28 h

6 Kommentare zu “Die Tour zum Lac de Salanfe und seinen Minen !

  1. ROTSCHER
    Antworten

    Super, ich schliesse mich an, die Randgeschichten sind wirklich spannend. Wir sind an der Mine knapp vorbei gefahren. Für den Besuch hat uns die Kraft gefehlt 😁 … oder der Drang nach dem Tourbierchen war grösser. Aber wir müssen ja nochmals in diese Gegend … da ist noch eine Rechnung offen ⛰😉

    1. Spoony Artikelautor
      Antworten

      Danke, für mich sind diese Touren eben immer auch Entdeckungsreisen, mit zunehmendem Alter interessiert mich die Geschichte einer Region und das Mountainbiken tritt etwas in den Hintergrund.

  2. sven
    Antworten

    Super bericht mit interessanten hintergrundinfos *thumbsup*
    Aber ich muss dich berichtigen, die cracks haben (nur) versucht die Haute Cime zu befahren. Dafür haben sie die mine verpasst, obwohl sie fast daran vorbeigefahren sind. Könnten wir eigentlich beim nächsten versuch nachholen …

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