Zur Schauenburg !

Der Oktober ist in diesem Jahr nur einmal schön und so nutzen wir den Sonntag Nachmittag erneut für eine kleine Ausfahrt. Meine Frau hat mit der Schauenburg grosse Pläne und die Tour zeigt mir den Unterschied zwischen e-MTB FahrerInnen und MTB Fahrern wieder klar auf. Über Im Holz und die alte Schauenburgstrasse fahren wir den Berg hoch.

Gnädig wartete meine Frau in grösseren Abständen und fotografiert den ausgepumpten Ehemann. Zum Glück bin ich heute mit dem Ti29-40 unterwegs, mit dem leichten Titanhardtail geht es deutlich einfacher den Berg hoch. Beim Aussichtspunkt vor dem Tunnel machen wir einen kleinen Rast. Wir sind heute nicht die einzigen Mountainbiker, die den Berg bezwingen.

Im Restaurant Schauenburg gibt es etwas zu Trinken und was Kleines zum Zvieri. Die Sonne strahlt tief durch den herbstlichen Baum vor der Terrasse – ein schönes Fotosujet. In der Tiefe weist der milchige Schleier bereits auf den sich bildende Kältesee im Mittelland hin. Der Winter und der Nebel sind nicht mehr weit.

Statistik: 26.5 km, ca. 747 Höhenmeter, Fahrzeit 2:01 h

Die Balmfluh Tour !

Die Tour von heute ist fast zu mickrig um im Blog erwähnenswert zu sein, aber ich tue es trotzdem. Wie gestern war auch heute das Wetter einfach nur fantastisch. Durch den Rüttenenwald fuhren wir zum Galmishof, der eine farbenfrohe Auswahl an Kürbissen im Selbstkauf anbietet. Da schlägt das Herbstherz jeweils höher.

Der ganze Wald ist zugepflastert mit Schildern, welche den Wald und seinen vielfältigen Nutzen erklären. Das sind wohl noch die Überbleibsel von der Sonderschau der diesjährigen HESO zum Thema KRAFTORT Wald. Zuerst auf Schotter und danach auf relativ anspruchsvollen Trails fahren wir bis zur Burgruine Balmfluh.

Nach der gestrigen Tour hatten wir beide irgendwie keine Lust mehr auf viele Höhenmeter. Also genossen wir das Panorama und fuhren danach auf Asphalt via Rüttenen zurück nach Solothurn.

Statistik: 14 km, ca. 335 Höhenmeter, Fahrzeit 1:10 h

Der Grenchen Loop !

Tiefblauer Himmel und ein Thermometer, welches deutlich über die 20° Marke steigt – ab aufs Mountainbike zusammen mit meiner Frau. Ich erhoffe mir noch ein wenig Herbstfeeling, obwohl wir dafür teilweise zu früh und andererseits  je nach Höhenstufe schon zu spät sind. Es ist Schiessen angesagt im Schweizerland und so treffen wir im Fallerenboden auf einen gesperrten Wanderweg, den wir zum Glück querfeldein umgehen können.

Ziel ist die Höhenlinie auf ungefähr 600m, auf welcher man dem Waldrand- und  Jurasüdfuss entlang bis nach Grenchen fahren kann, das Aaretal und die Alpen immer im Blick. Von der Talstation der Weissensteinbahn in Oberdorf führt ein kurzer, knackiger Trail runter zur Bahnlinie nach Im Holz.

In Lommiswil wartet der nächste 300m Schiessstand in Betrieb, zum Glück ist die Umgehung nur einige wenige Meter lang. Wir machen immer wieder mal Pause und geniessen diesen wunderbaren Herbsttag – Entspannungsbiken ist das Motto.

Es folgen Fuchswaldtrail und die kurze Durchquerung des Lochbachgrabens. Meine Frau ist auf Entdeckertour am Waldrand und so bleibt auch Zeit für mich die Umgebung etwas genauer zu erkunden. Im nahen Feld durchbrechen weisse Champignons die trockene Erdkruste und die grossen Eichen am Waldrand hinterlassen ganze Haufen von Eicheln am Boden. Früher hätte man diese gesammelt und verfüttert.

In Rütenen ob Selzach steigt ein intensiver Duft in die Nase. Ein ganzes Feld von Hanfblüten breitet sich vor mir aus. Im Moment ist Hanf in allen Formen ja ziemlich im Trend. Meine Frau nimmt einige Büschel zum Trocknen mit, die wir rasch wieder wegwerfen weil bereits das halbe Haus nach einem Tag so stark nach Hanf riecht. 😉

In Richtung Grenchen kommen wir kaum mehr voran. Meine Frau hält an jedem Baumnussbaum und Haselstrauch und sammelt Nüsse. In der Folge haben wir noch wochenlang Nüsse von dieser Tour im Haus. Während meine Frau eher die Sammlerin ist, bin ich dann eher der ‚Esser‘. 😉

Am Flughafen Grenchen machen wir Rast. Es ist viel Betrieb und immer noch lockt der Flughafen Alt und Jung – die Faszination des Fliegens ist ungebrochen. Auf dem Aareradweg fahren wir nach dem Zvieri auf bolzengerader Strecke zurück nach Solothurn. Eine schöne Ausfahrt!

Statistik: 33 km, ca. 394 Höhenmeter, Fahrzeit 2:19 h

Man hätte es sehen kommen können…

Jüngst auf der Mountainbike Tour durch die Haute-Sorne… Bei La Verrerie durchsticht die Autobahn den Felsriegel und die Kantonsstrasse wird durch einen neuen Tunnel geleitet. Ich fahre im Tunnel auf dem Trottoir anstelle des Radstreifens. Das erhöhte Trottoir endet beim Tunnelausgang und geht in einen schmalen Betonstreifen über, der die Leitplanke trägt. Dumm-Spoony fährt nicht auf die Strasse sondern balanciert auf dem Betonband, denkt sich dabei ‚Hoffentlich hänge ich mit dem Lenker nicht in der Leitplanke ein‘ und ZACK – rechtseingehängt und mit einem Krachen lande ich mitten auf der rechten Fahrbahn. Der Versuch den Sturz mit dem linken Bein abzufangen quittiert das Knie mit hässlichen Geräuschen und stechenden Schmerzen.

Ich fluche noch fast bis Moutier vor mich her. Wie kann man nur so blöd sein? Ich hätte es sehen kommen können und habe es auch getan, aber die Konsequenzen nicht gezogen. Wäre ein Auto oder ein Lastwagen gekommen – Game Over!

Fazit: Mein Knie und mein Alter vertragen grunsätzlich keine Stürze mehr und jeder ist einer zu viel. In diesem Sinne weiterhin ‚Kopf einschalten‘ und defensiv fahren. Eigentlich bin ich darin sehr gut – weshalb der in diesem Jahr böseste (und wohl einzige) Sturz auch nicht auf einem Singletrail, sondern bei einer solchen idiotischen Aktion passierte…. es nervt immer noch. 😉

PS: Das Knie hat sich soweit erholt…. 

Die Haute-Sorne Mountainbike Tour !

Map.geo.admin.ch ist mein liebstes Spielzeug für die Tourenplanung und mein bester Ideensammler. In der Haute-Sorne, östlich von Moutier, fiel mir eine einzigartige Spitzkehrenlinie auf. Ob das wohl fahrbar ist? Nach einer Recherche im Netz scheint es das zu sein, wie ein französisches Youtube Video bestätigt. Nächstes Tourenziel fixiert!

Am Sonntag morgen bin ich auf dem Bahnhof Solothurn der einzige Reisende, welcher mit Mountainbike und Rucksack nach Moutier (531m) will. Ich profitiere einmal mehr von der direkten Verbindung durch den Weissensteintunnel und stehe gute 30 Minuten später auf dem ‚Dorfplatz‘ des (noch) bernjurassischen Städtchens. Der Kampf um die Kantonszugehörigkeit ist weiterhin virulent, wie die x-fach gegenseitig übermalten Kantonswappen an jeder Ecke bezeugen.

Für den Aufstieg nach Aux Arsattes bzw auf den Montagne de Moutier wähle ich eine interessante, alleengesäumte Strasse. Leider kann ich die alten Bäume kaum geniessen, da der Aufstieg juramässig steil ist und mir zum ‚Kaltstart‘ einiges abfordert. Oben angekommen mache ich einen kleinen Abstecher zu den auf der Karte markant eingezeichneten Dolinen. Die ganze Hochebene ist durchzogen von den charakteristischen Senken, in denen das Wasser und manchmal auch ganze Tiere in die unterirdischen Höhlensysteme des Juras verschwinden.

Der Bergrücken des Montagne de Moutier zieht sich gegen Westen hin und bis zum höchsten Punkt auf 1155m braucht es erneut Muskelkraft. Die grünen Jurawiesen, durchzogen von Einzelbäumen und Baumgruppen versprühen das typische Flair dieser Region. Sowohl nach Norden wie nach Süden sieht man weit. Einige grosse Parasol-Pilze haben sich ebenfalls diesen schönen Standort ausgesucht.

Auf Wiesentrails fahre ich runter bis zur Abzweigung Pré Chenal. Auf der Suche nach Trails folgt die heutige Tour bei weitem nicht der direkten Linie. Im Visier ist die Abfahrt durch das Tobel Noire Combe bis zum Punkt 716 bei les Neufs Pré. Der Singletrail ist wenig begangen, sumpfig, steinig, zugewachsen, aber nicht ohne Spasspotential.

Zwischen Panzersperren durch fahre ich wieder bergwärts, weiter in Richtung Westen. Mittlerweile sind die Motorradfahrer aufgewacht und geniessen die leeren Nebenstrassen des Juras. Mein Ziel ist der Weiler Ecorcheresses (913m). Leider scheinen die wenigen Restaurants der Region allesamt geschlossen zu haben, die Meisten wohl schon seit längerem. Schilder weisen auf die Mountainbike-Routen des Berner Juras hin. Im Moment folge ich der Tour 861 Petit-Val. Das nächste Highlight ist die angenehme Abfahrt entlang des Risseau du Tchaibez durch schöne Natur bis nach Le Pichouz (728m).

Hier treffe ich erstmals auf die Sorne, die sich in Nordrichtung durch zwei Juraketten frisst. Ohne Vorankündigung stehe ich am Kluseingang vor einer Baustelle. Der Felsendurchgang ist nur wenige Meter breit und die Strasse wurde direkt über den Bach gebaut und wird nun saniert. Was nun? Eine Umfahrung ist weder kilometer- noch höhenmetermässig machbar. Tourabbruch? Ich hieve das Mountainbike über den Baustellenzaun und balanciere auf einer Holzplanke auf die andere Seite. Danach noch über ein weiteres Absperrgitter und die Abfahrt durch die Sorneschlucht nach Undervelier liegt menschenleer vor mir. Glück gehabt!

Nach einem kurzen Abstecher zur Grotte de Sainte-Colombe, nähere mich meinem Tourenziel, dem Hof La Jacoterie (756 m). 16 Spitzkehren sind es vom Talgrund bei Les Forges (523m) bis hinauf auf den Berg. Auf halber Höhe jage ich leider noch eine Kuhherde vor mir her, da diese in einer Spitzkehre im Wald wohl Schatten suchte und erst wenig geneigt war dem Mountainbiker Platz zu machen. Oben angelangt führt ein Trail zum Punkt 728, dem Einstieg in die Spitzkehrenabfahrt. Vorgängig schaue ich mir auf der ausgesetzten Felsenkrete nochmals mein Aufstiegsweg an. Danach folgen genau 70 Spitzkehren in weichem Untergrund – davon für mich ca 2/3 – 3/4 fahrbar. Was für ein Erlebnis!

In Berlincourt finde ich endlich ein Restaurant für das Mittagessen. Dabei spiele ich den Dolmetscher zwischen zwei amerikanischen Brüdern und ihrer Mutter sowie der Bedienung. Die Truppe aus Kansas ist heute Morgen von Zürich nach Undervelier gefahren. Die Vorfahren der Mutter kamen aus diesem Ort. Nachdem sie sich interessanterweise erst als Nicht-Trump Wähler geoutet hatten (was in Kansas schwierig ist), kamen wir länger ins Gespräch. Interessant wie emotional dieser Besuch für die Familie war. Persönlich bin ich nicht erstaunt, dass man von Undervelier der Armut entfloh und in die USA auswanderte. Dem Dorf sieht man die witschaftlichen Schwierigkeiten auch heute noch überall an.

Mal auf Singletrails, mal auf Forststrassen geht es nun der nördlichen Flanke der Jurakette entlang, welche die Haute-Sorne bzw die Gemeinden Bassecourt und Courtételle südlich begrenzt. Wegweiser bezeichnen die Region mit dem Namen Valdorée. Ein Blick auf die Webseite zeigt, dass es sich um einen 76 km langen Wanderweg rund um Delsberg handelt. Die Strecke ist interessant. Immer wieder zwingen Gräben zu zusätzlichen Höhenmetern und Umwegen. Trotzdem sind die steilen Bergflanken von vielen alten Wirtschaftswegen durchzogen. Kaum zu glauben, aber diese Region war schon extrem früh, der Wasserkraft wegen, Ursprung vorindustrieller Wirtschaftszweige.

Im Aimery Wald treffe ich mit Glück auf eine selbstgebaute Bikeline im Wald. Wahrscheinlich sind hier noch einige Mountainbiker unterwegs. Leider führen die deutsch- und französischsprachigen Communities (auch im Internet) ein eher voneinander getrenntes Leben. Ich geniesse den Trail und danke den anonymen Erbauern.

Einen Wald später folgt mit der Waldgrottte Notre-Dame du Vainé der nächste interessante Punkt. Ich sitze auf das Bänkli und lasse den heiligen Ort bei einem Getreideriegel auf mich wirken. Mit neuen Kräften fahre ich in stetigem Auf- und Ab weiter, bis mich ein Trail in Courrendlin ausspuckt. Langsam bin ich konditionell angeschlagen und freue mich auf die rasche Rückfahrt auf der Hauptstrasse durch die Klus von Moutier.

Die Klus ist nicht nur geologisch super interessant, sondern ebenfalls historisch. Die Birs hat sich hier 500m durch den Jurakalk gefressen und hinterliess fantastische Felsformationen. Nicht minder beeindruckend ist, wie man die Strasse und die Eisenbahn ins enge Tal ‚einbauen‘ konnte. Neuerdings bohrt sich zusätzlich die Transjuranne durch den Felsen und verbindet Moutier mit Délémont.

Wie erwähnt wurde schon sehr früh die Birs als Transportweg und als Quelle für die Wasserkraft genutzt. Davon zeugt das grosse Von Roll Werk in Choindez, welches hier seit 1846 mehrheitlich Rohre produziert. Die Industriegeschichte neigt sich nun aber dem Ende zu. Für mich sind solche Orte fast immer zu schade um nur durchzufahren. Da gäbe es so viel zu entdecken!

So könnte man einen archäologischen Lehrpfad zwischen Roches und Rebeuvelier begehen. Auf der Strecke zeugen Ausgrabungen von den vorindustriellen Aktivitäten in dieser Klus: Fahrwege, Köhlermeiler, Kalkbrennöfen, Eisenschmelzen und Glashütten. Nach einem kleinen fahrtechnischen Zwischenfall (mehr dazu in einem separaten Post), komme ich halbwegs heil in Moutier an und fahre mit dem Zug zurück nach Solothurn. Was für eine spannende Mountainbiketour !

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Statistik: 65.9 km, ca. 1936 Höhenmeter, Fahrzeit 6:17 h