Man hätte es sehen kommen können…

Jüngst auf der Mountainbike Tour durch die Haute-Sorne… Bei La Verrerie durchsticht die Autobahn den Felsriegel und die Kantonsstrasse wird durch einen neuen Tunnel geleitet. Ich fahre im Tunnel auf dem Trottoir anstelle des Radstreifens. Das erhöhte Trottoir endet beim Tunnelausgang und geht in einen schmalen Betonstreifen über, der die Leitplanke trägt. Dumm-Spoony fährt nicht auf die Strasse sondern balanciert auf dem Betonband, denkt sich dabei ‚Hoffentlich hänge ich mit dem Lenker nicht in der Leitplanke ein‘ und ZACK – rechtseingehängt und mit einem Krachen lande ich mitten auf der rechten Fahrbahn. Der Versuch den Sturz mit dem linken Bein abzufangen quittiert das Knie mit hässlichen Geräuschen und stechenden Schmerzen.

Ich fluche noch fast bis Moutier vor mich her. Wie kann man nur so blöd sein? Ich hätte es sehen kommen können und habe es auch getan, aber die Konsequenzen nicht gezogen. Wäre ein Auto oder ein Lastwagen gekommen – Game Over!

Fazit: Mein Knie und mein Alter vertragen grunsätzlich keine Stürze mehr und jeder ist einer zu viel. In diesem Sinne weiterhin ‚Kopf einschalten‘ und defensiv fahren. Eigentlich bin ich darin sehr gut – weshalb der in diesem Jahr böseste (und wohl einzige) Sturz auch nicht auf einem Singletrail, sondern bei einer solchen idiotischen Aktion passierte…. es nervt immer noch. 😉

PS: Das Knie hat sich soweit erholt…. 

Die Haute-Sorne Mountainbike Tour !

Map.geo.admin.ch ist mein liebstes Spielzeug für die Tourenplanung und mein bester Ideensammler. In der Haute-Sorne, östlich von Moutier, fiel mir eine einzigartige Spitzkehrenlinie auf. Ob das wohl fahrbar ist? Nach einer Recherche im Netz scheint es das zu sein, wie ein französisches Youtube Video bestätigt. Nächstes Tourenziel fixiert!

Am Sonntag morgen bin ich auf dem Bahnhof Solothurn der einzige Reisende, welcher mit Mountainbike und Rucksack nach Moutier (531m) will. Ich profitiere einmal mehr von der direkten Verbindung durch den Weissensteintunnel und stehe gute 30 Minuten später auf dem ‚Dorfplatz‘ des (noch) bernjurassischen Städtchens. Der Kampf um die Kantonszugehörigkeit ist weiterhin virulent, wie die x-fach gegenseitig übermalten Kantonswappen an jeder Ecke bezeugen.

Für den Aufstieg nach Aux Arsattes bzw auf den Montagne de Moutier wähle ich eine interessante, alleengesäumte Strasse. Leider kann ich die alten Bäume kaum geniessen, da der Aufstieg juramässig steil ist und mir zum ‚Kaltstart‘ einiges abfordert. Oben angekommen mache ich einen kleinen Abstecher zu den auf der Karte markant eingezeichneten Dolinen. Die ganze Hochebene ist durchzogen von den charakteristischen Senken, in denen das Wasser und manchmal auch ganze Tiere in die unterirdischen Höhlensysteme des Juras verschwinden.

Der Bergrücken des Montagne de Moutier zieht sich gegen Westen hin und bis zum höchsten Punkt auf 1155m braucht es erneut Muskelkraft. Die grünen Jurawiesen, durchzogen von Einzelbäumen und Baumgruppen versprühen das typische Flair dieser Region. Sowohl nach Norden wie nach Süden sieht man weit. Einige grosse Parasol-Pilze haben sich ebenfalls diesen schönen Standort ausgesucht.

Auf Wiesentrails fahre ich runter bis zur Abzweigung Pré Chenal. Auf der Suche nach Trails folgt die heutige Tour bei weitem nicht der direkten Linie. Im Visier ist die Abfahrt durch das Tobel Noire Combe bis zum Punkt 716 bei les Neufs Pré. Der Singletrail ist wenig begangen, sumpfig, steinig, zugewachsen, aber nicht ohne Spasspotential.

Zwischen Panzersperren durch fahre ich wieder bergwärts, weiter in Richtung Westen. Mittlerweile sind die Motorradfahrer aufgewacht und geniessen die leeren Nebenstrassen des Juras. Mein Ziel ist der Weiler Ecorcheresses (913m). Leider scheinen die wenigen Restaurants der Region allesamt geschlossen zu haben, die Meisten wohl schon seit längerem. Schilder weisen auf die Mountainbike-Routen des Berner Juras hin. Im Moment folge ich der Tour 861 Petit-Val. Das nächste Highlight ist die angenehme Abfahrt entlang des Risseau du Tchaibez durch schöne Natur bis nach Le Pichouz (728m).

Hier treffe ich erstmals auf die Sorne, die sich in Nordrichtung durch zwei Juraketten frisst. Ohne Vorankündigung stehe ich am Kluseingang vor einer Baustelle. Der Felsendurchgang ist nur wenige Meter breit und die Strasse wurde direkt über den Bach gebaut und wird nun saniert. Was nun? Eine Umfahrung ist weder kilometer- noch höhenmetermässig machbar. Tourabbruch? Ich hieve das Mountainbike über den Baustellenzaun und balanciere auf einer Holzplanke auf die andere Seite. Danach noch über ein weiteres Absperrgitter und die Abfahrt durch die Sorneschlucht nach Undervelier liegt menschenleer vor mir. Glück gehabt!

Nach einem kurzen Abstecher zur Grotte de Sainte-Colombe, nähere mich meinem Tourenziel, dem Hof La Jacoterie (756 m). 16 Spitzkehren sind es vom Talgrund bei Les Forges (523m) bis hinauf auf den Berg. Auf halber Höhe jage ich leider noch eine Kuhherde vor mir her, da diese in einer Spitzkehre im Wald wohl Schatten suchte und erst wenig geneigt war dem Mountainbiker Platz zu machen. Oben angelangt führt ein Trail zum Punkt 728, dem Einstieg in die Spitzkehrenabfahrt. Vorgängig schaue ich mir auf der ausgesetzten Felsenkrete nochmals mein Aufstiegsweg an. Danach folgen genau 70 Spitzkehren in weichem Untergrund – davon für mich ca 2/3 – 3/4 fahrbar. Was für ein Erlebnis!

In Berlincourt finde ich endlich ein Restaurant für das Mittagessen. Dabei spiele ich den Dolmetscher zwischen zwei amerikanischen Brüdern und ihrer Mutter sowie der Bedienung. Die Truppe aus Kansas ist heute Morgen von Zürich nach Undervelier gefahren. Die Vorfahren der Mutter kamen aus diesem Ort. Nachdem sie sich interessanterweise erst als Nicht-Trump Wähler geoutet hatten (was in Kansas schwierig ist), kamen wir länger ins Gespräch. Interessant wie emotional dieser Besuch für die Familie war. Persönlich bin ich nicht erstaunt, dass man von Undervelier der Armut entfloh und in die USA auswanderte. Dem Dorf sieht man die witschaftlichen Schwierigkeiten auch heute noch überall an.

Mal auf Singletrails, mal auf Forststrassen geht es nun der nördlichen Flanke der Jurakette entlang, welche die Haute-Sorne bzw die Gemeinden Bassecourt und Courtételle südlich begrenzt. Wegweiser bezeichnen die Region mit dem Namen Valdorée. Ein Blick auf die Webseite zeigt, dass es sich um einen 76 km langen Wanderweg rund um Delsberg handelt. Die Strecke ist interessant. Immer wieder zwingen Gräben zu zusätzlichen Höhenmetern und Umwegen. Trotzdem sind die steilen Bergflanken von vielen alten Wirtschaftswegen durchzogen. Kaum zu glauben, aber diese Region war schon extrem früh, der Wasserkraft wegen, Ursprung vorindustrieller Wirtschaftszweige.

Im Aimery Wald treffe ich mit Glück auf eine selbstgebaute Bikeline im Wald. Wahrscheinlich sind hier noch einige Mountainbiker unterwegs. Leider führen die deutsch- und französischsprachigen Communities (auch im Internet) ein eher voneinander getrenntes Leben. Ich geniesse den Trail und danke den anonymen Erbauern.

Einen Wald später folgt mit der Waldgrottte Notre-Dame du Vainé der nächste interessante Punkt. Ich sitze auf das Bänkli und lasse den heiligen Ort bei einem Getreideriegel auf mich wirken. Mit neuen Kräften fahre ich in stetigem Auf- und Ab weiter, bis mich ein Trail in Courrendlin ausspuckt. Langsam bin ich konditionell angeschlagen und freue mich auf die rasche Rückfahrt auf der Hauptstrasse durch die Klus von Moutier.

Die Klus ist nicht nur geologisch super interessant, sondern ebenfalls historisch. Die Birs hat sich hier 500m durch den Jurakalk gefressen und hinterliess fantastische Felsformationen. Nicht minder beeindruckend ist, wie man die Strasse und die Eisenbahn ins enge Tal ‚einbauen‘ konnte. Neuerdings bohrt sich zusätzlich die Transjuranne durch den Felsen und verbindet Moutier mit Délémont.

Wie erwähnt wurde schon sehr früh die Birs als Transportweg und als Quelle für die Wasserkraft genutzt. Davon zeugt das grosse Von Roll Werk in Choindez, welches hier seit 1846 mehrheitlich Rohre produziert. Die Industriegeschichte neigt sich nun aber dem Ende zu. Für mich sind solche Orte fast immer zu schade um nur durchzufahren. Da gäbe es so viel zu entdecken!

So könnte man einen archäologischen Lehrpfad zwischen Roches und Rebeuvelier begehen. Auf der Strecke zeugen Ausgrabungen von den vorindustriellen Aktivitäten in dieser Klus: Fahrwege, Köhlermeiler, Kalkbrennöfen, Eisenschmelzen und Glashütten. Nach einem kleinen fahrtechnischen Zwischenfall (mehr dazu in einem separaten Post), komme ich halbwegs heil in Moutier an und fahre mit dem Zug zurück nach Solothurn. Was für eine spannende Mountainbiketour !

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Statistik: 65.9 km, ca. 1936 Höhenmeter, Fahrzeit 6:17 h

Neuer Stoff für die Kontaktstellen mit dem Bike !

Heute gibt es anstelle schöner Trailbilder wichtigeres aus dem Leben eines Mountainbikers zu berichten – der Stoff, der sich zwischen dem Fahrer und dem Mountainbike befindet. Beginnen wir mit den Bikeinnenhosen. Diese sind für mich immer ein Glückskauf. Nur die erste 65 km Tour in sommerlicher Hitze mit Mehrtagesrucksack wird zeigen, ob die Hosen aus dem softigen Himmel oder der scheuernden Hölle stammen. Diesmal gibt es eine Endura- und eine Pearl Izumi Innenhose. Bin gespannt, wie sich die unterschiedlichen Polsterarten anfühlen.

Fast so wichtig wie am Hintern und am Sattel ist der Stoff am Lenker. Im Winter fahre ich seit drei Jahren die Roeckl Rabal Handschuhe und bin sehr zufrieden damit. Leider ist der linke Handschuh in der Handfläche durchgescheuert. Quizfragen: Wieso nur der Linke und wie kann das nach 5 Monaten Winterbikeabstinenz geschehen? Egal, ich bestelle das gleiche Modell nunmehr deutlich günstiger als vor Jahren und lagere es für den kommenden Winter ein.

Freute ich mich vor Jahren noch über die Touchscreen-Tauglichkeit, ist das im Jahre 2018 bereits wieder Geschichte. Ich entsperre das Smartphone per Fingerabdruck und da helfen keine Handschuhe. 🙁 Als Goodie kommt noch ein neuer BUFF ins Postpaket – im letzten Sommer habe ich Zermatt gleich zwei Stück auf dem Trail verloren…

Gekauft bei Bikester: PEARL iZUMi Select Liner Shorts Gr L 51 CHF, Endura Single Track Liner Gr L 65 CHF, Buff Tube The Wild Multi 21 CHF, Roeckl Rabal Gr 9.5 27 CHF

Es tut sich was auf dem Attisholz-Areal !

In der Zeitung las ich etwas von einem neuen Spielplatz auf dem Attisholz-Areal – eine gute Gelegenheit wieder einmal auf bekannten Pfaden zu biken. Die Biber fressen sich immer näher an die Stadt und beim Schiesstand zeugen alle paar Meter Spuren von den gefrässigen Nagetieren, die sich am reifen Mais die Bäuche vollschlagen.

Von Weitem betrachtet sieht die alte Fabrik aus wie immer. Der blaue Himmel, das grünbraune Gras und die Aare kontrastieren stark mit dem Industrieareal. Zunehmend prominenter rückt nun die neue Fabrik der Biogen ins Panorama.

Auf dem Attisholzareal angekommen bin ich etwas sprachlos. Hier wurde in den letzten Monaten so richtig gebaut und etwas Neues ist entstanden. Nebst einer Bühne für Events wurde ein grosser Spielplatz ins Gelände gelegt. Eine Schneckenauffahrt überwindet den Höhenunterschied und ist für Mountainbikes gesperrt. Da die Anlage erst in einigen Tagen öffnet, erlaube ich mir ein paar Auf- und Abfahrten – Fun pur!

Der Spielplatz ist wirklich toll in die Überbleibsel der Fabrik eingebunden. Überall finden sich alte Bauelemente, die geschickt in das Gesamtbild gefügt wurden. Nebst einem ‚Ritigampfi‘  gibt es noch eine Kletterwand und viele andere Spielelemente. Ein Unfall wird sanft auf dem dämpfenden Boden abgebremst.

Auf dem ganzen Areal konnten (und können) sich Künstler mit Skulpturen und Bildern verewigen. Schon nur dafür lohnt sich ein Besuch der Anlage. In den kommenden Jahren sollte weiteres Leben in die Gegend einziehen. Die Brücke über die Aare ist noch geschlossen – ich bin mir aber sicher, dass hier schon bald ein neuer Treffpunkt im Raum Solothurn entstehen wird.

Auf der anderen Aareseite wird die alte Kantine zum Restaurant umgebaut und Betontreppen laden zum Verweilen entlang der Aare ein. Bereits vor Ort ist die Bar La Chiquita, die für Events geöffnet hat. Fazit: Wirklich toll wie sich das Industrieareal verändert und wie man die alte Bausubstanz neu nutzt. Da bin ich sehr auf die Zukunft gespannt.

Viel gesehen aber noch zu wenig gefahren! Ich jage mit dem leichten Ti29-40 über die Trails im Affolternwald zwischen Luterbach und Derendingen. Weiter über Gerlafingen bis nach Utzensdorf, wo heute das Kantonalbernische Schwingfest 2018 stattfindet. Was für ein Trubel! Ich bin erstaunt über die grosse Bühne und das Schwingerdorf. Solche Dimensionen habe ich seit dem Eidgenössischen nicht mehr gesehen.

Gemütlich radle ich entlang der Emme zurück in Richtung Emmenspitz. Das Titan Hardtail gibt mir einmal mehr grosse Fahrfreude. Dabei wird mir bewusst wie lange ich schon nicht mehr diese ehemaligen Standardrouten gefahren bin.

Das zeigt sich ebenfalls auf der Höhe von Biberist, wo das Emmenufer nicht mehr wiederzuerkennen ist. In einem Zug wird eine ehemalige Deponie saniert und gleichzeitig die Emme erweitert. An beiden Ufern gab es Kahlschlag und viele Bäume wurden wie Monumente auf einigen Metern Höhe abgeschnitten. Ich bin sicher, dass es hier in einigen Jahren wieder toll aussieht – im Moment denke ich etwas wehmütig an den schönen Uferweg zurück. Das war sie also, die kleine Sonntagsausfahrt!

Statistik: 40.8 km, ca. 162 Höhenmeter, Fahrzeit 2:04 h

Wandschmuck I

Leser dieses Blogs kennen meine Vorliebe für die Walliser Südtäler. Obwohl leistungsfähige Strassen heute die Talschaften durchschneiden, spürt man immer noch auf Schritt und Tritt die alte Bergkultur, die von Mythen und Riten geprägt ist. Sicher eine Folge der harten, langen und sehr abgeschiedenen Winter der Vergangenheit. So hängen im Val de Bagnes an den Häusern beispielsweise kunstvoll geflochtene Symbole aus Getreideähren. Eine längere Suche im Internet hat leider nichts Verwertbares zu deren Bedeutung hervorgebracht. Hat sicher was mit Glück, Fruchtbarkeit und reicher Ernte zu tun. Wer also etwas mehr weiss – nur rein in die Kommentare.