Mont Salève für Fortgeschrittene – Le Grand Piton !

Nach meinen langen Ferien in Asien bin ich wieder zurück in der Schweiz bzw in Genf bei der Arbeit. Ein Blick aus dem Fenster lässt keinen Zweifel am schönsten Land der Welt aufkommen – blauer Himmel, grüne Wiesen, klare Luft und am Horizont locken Berge. Ich habe Lust auf einen Formtest und starte eine Feierabendrunde der gröberen Art. Ziel: Aus dem Stadtzentrum (380m) auf den Col de la Croisette (1175m).

Was soll ich sagen – immer noch sackhart und ein richtiger Steigerungslauf. Mit den üblichen mentalen Tricksereien schaffe ich den Aufstieg, unterbrochen von einigen atemlosen Pausen. Das Einzige was nervt sind Grenzgänger, die zu Feierabend den Pass als Rennstrecke nutzen. Oben angekommen einen kurzen Blick auf den im Dunst liegenden Mont-Blanc und weiter geht es in Richtung Grand Piton. Der wahre Gipfel des Mont Salève ist nämlich unbekannterweise der Grand Piton (1379m), der auf dem flachen Bergrücken kaum als solcher erkennbar ist.

Von der Strasse weg auf den Gipfel muss das Mountainbike kurz geschoben werden. Fast zufällig stolpere ich auf den unscheinbaren Markstein, welcher in einem flachen Felsenfeld den höchsten Punkt markiert. Die Sensation liegt aber weiter vorne an der Abbruchkante beim Tour Bastian. Der Notar und Bürgermeister von Frangy, Claude-François Bastian, hat diesen Turm nach 1820 als Landmarke gebaut. Zeit um im Schatten des Turmes einen Riegel zu geniessen – was für ein grandioser Ort mit weitem Blick auf das Genfer Becken!

Es folgt die relativ flowige Abfahrt zur Alp La Thuile. Lage und Aussicht der Alp benötigen nochmals einen kurzen Stopp. Ab hier geht es auf dem Chemin de la Thuile in vielen Spitzkehren mehr oder weniger in direkter Falllinie runter nach Jussy und Beaumont. Der Singletrail ist anspruchsvoll, aber genau nach meinem Geschmack. Immer wieder gibt es längere flowige Abschnitte und ich spüre, dass mir das Mountainbike in den letzten zwei Monaten trotz halber Weltreise irgendwie gefehlt hat.

Am Fuss des Grand Piton, leicht versteckt, steht noch die kleine Kapelle mit dem klingenden Namen: Chapelle Notre Dame de l’Espérance. Ich halte kurz inne – ein wunderbar ruhiger und besinnlicher Ort. Lustig die Tatsache, dass die Kapelle die frühere Talstation einer einfachen Seilbahn auf die Alp Thuile war. 😉 Mit all diesen Eindrücken und dem guten Gefühl wieder mal etwas geschafft zu haben, fahre ich auf den üblichen Wegen zurück über die Grenze und in die Stadt.

Statistik: 35.6 km, ca. 1044 Höhenmeter, Fahrzeit 3:08 h

Bye Bye Google+ und Welcome Instagram !

Im Dezember 2011 habe ich für diesen Blog bei Google Plus einen Account eröffnet und seither alle Beiträge nicht nur auf Facebook und Twitter, sondern auch dort ‚gecrossposted‘. Acht Jahre später dreht Google seinem Social Network per Ende 2019 den Saft ab und ich habe heute den Account gelöscht. Am Schluss hatte ich noch rund 90 treue Abonnenten auf Google Plus. Irgendwie schon spannend, dass nun bereits die grosse Ära der ersten Social Networks vorbei ist – umso mehr ich das Gefühl habe, dass Facebook seit rund zwei Jahren ebenfalls deutlich schwächelt.

Mit der Entfernung des Google Plus Buttons im Header und in der Fusszeile der Beiträge habe ich als Ersatz meinen Instagram Account verlinkt. Da Instagram nur als Bilderfeed Sinn macht, werde ich die Blogbeiträge dort nicht verlinken – umso mehr auf Instagram keine direkten Links auf die Beiträge hier möglich sind. Bisher habe ich nur ausgewählte Bilder ‚live‘ auf Instagram gepostet. Irgendwie ist mir das Ganze dort zu oberflächlich und als Influencer sehe ich mich übrigens auch nicht.

So bleibe ich dem klassischen Webtagebuch in Form dieses Blogs vorläufig treu und ich bin neugierig, was die Zukunft uns an weiteren Formaten so bringen wird. Ich hoffe, dass mindesten WordPress noch eine Weile überleben wird, wenn auch die neusten Entwicklungen bezüglich Gutenberg Editor Anlass zur Sorge geben.

In diesem Sinne: Danke an all die Leser die mir hier seit Jahren folgen, auf dem Blog oder sonstwo im weiten  Datennetz!

#ChiLaThai19 oder Uf u Dervo !

Die nächsten Wochen bin ich wieder mal unterwegs. Es geht auf eine mehrwöchige Reise nach China, Laos und Thailand. Ich weiss nicht inwiefern ich hier Beiträge posten werde. Versprechen kann ich nichts, da nicht mal meine Vietnam Reise Ende 2016 den Weg in diesen Blog gefunden hat. Sicher dürfte es das eine oder andere Bild im Facebook oder Twitter Feed geben. Das Mountainbike bleibt zu Hause und andere Erlebnisse stehen im Fokus.

Als kleine Herausforderung werde ich nur mit Handgepäck unterwegs sein. Dazu gäbe es einiges zu posten, da alleine die Packliste Stoff für viele Beiträge liefern würde. Als Reisegepäck habe ich mir den Eagle Creek Global Companion 40l ausgesucht. Bin gespannt wie ich mit 7.4 kg Gepäck über all die Wochen auskommen werde. Damit wünsche ich einen schönen Frühling und frohe Ostern. Spätestens zu den Bike Days bin ich wieder zurück.

Die Bikespatzen !

Es ist noch immer kühl draussen und so kann ich noch etwas im Fotoarchiv kramen. Dabei fielen mir diese beiden Bilder in die Maus. Es ist ein ziemlich frecher Spatz, der in der Bar alla Sega am Strand von Torbole, Gardasee, auf Chipskrümmel wartet. Dabei nutzt er mein Scott Genius als Warteposition. Schöne Erinnerungen – hoffentlich wird es hier bald wieder wärmer!

Der Buechibärg – Dotzigen Loop!

Fasnachtwochenende in Solothurn. Wer mich kennt, weiss was das heisst, raus aus der Stadt und ab ins protestantische Bern. 😉 Am morgen früh ist die Stadt menschenleer und der Kater ist in den Gassen spür- und leider auch sichtbar. Die Bise bläst straff und so ist heute wieder der Plan B angesagt – durch den Buechibärg windgeschützt nach Westen und mit Rückenwind nach Osten.

Im Leuzigenwald kommt bald der Grenzstein mit dem Berner Bär. Je länger ich im Kanton Solothurn wohne, umso mehr fallen mir einige historische Unterschiede auf. Der Fasnachtsbrauch ist da nur die Speerspitze einer unterschiedlichen Geschichte. Trotzdem irgendwie erstaunlich, dass etwas, was 1519 in Zürich begann noch heute im Alltag sichtbar ist. Vielleicht neige ich zum Übertreiben, aber ich kann mit dieser fasnächtlichen Doppelmoral so gar nichts anfangen. Eine Maske und viel Alkohol und schon fallen Moral und Werte ins Bodenlose (Ja ich weiss, es gibt auch die guten Seiten des Anlasses).

Und wenn wir schon bei religiösen Bräuchen sind, gibt es in Oberbüren Interessantes zu entdecken. Auf einer unscheinbaren Wiese erinnert ein Denkmal an einen mittelalterlichen Wallfahrtsort. Auf der Chilchmatt stand eine Marienkirche in der totgeborene Kinder zwecks Taufe kurzfristig ‚wiederbelebt‘ wurden. Makaber: MIt glühenden Kohlen und Kerzen wurde der Körper erwärmt und so ein Atemzug simuliert. Es folgte Taufe und Seelenheil mit Eintrittsgarantie ins Paradies. Eine Feder bewies den Atem und deshalb heute das Denkmal in Form einer Feder auf der grünen Wiese.

Nach diesem religiösen Horror biege ich möglichst rasch in den Städtliberg ein. Hier gibt es Horror der modernen Art, Walderntemaschinen haben eine Spur der Verwüstung hinterlassen und so kämpfe ich mich durch ein Gemisch von Tannästen, zersplittertem Holz und knöcheltiefem Schlamm. Nach einem kurzen Trail durch den Wald treffe ich ob Dotzigen auf den Hirschegrabe, Laubgrabe und den Holweg. Alle drei massivste Holwegeinschnitte im Aufstieg zum Dotzigeberg. Ein Blick auf das Inventar historischer Verkehrswege bringt noch etwas Zusatzinformationen.

Der spassige Trail durch den Holweg spukt mich beim Schlössli Dotzigen aus. Das Schloss thront und wacht über Dotzigen und wurde (wie das halbe Dorf) 1898 durch den Industriellen Johann Schaller gebaut. Ausserhalb des Dorfes überquere ich die unscheinbare Alte Aare. Wo heute eine neue Fussgängerbrücke steht, haben wir früher als Jugendliche die Gummiboote und selbstgebaute Flosse eingewassert und sind den Fluss runtergefahren.

Heute ist das nicht mehr möglich. Das ganze Auengebiet oder ‚Grien‘ zwischen Dotzigen und Meienried wurde aufwändig saniert. Überall gibt es Tümpel, Kiesbänke und viel Schilf. Der Lauf der alten Aare selber ist von umgefallenen Baumstämmen versperrt – kein Gummiboot Terrrain. Im Moment sieht alles noch sehr nach Menschenhand aus, aber die Natur wird schon bald die Schotterflächen zurückerobern. Wenn man durch diese Landschaft fährt, fällt es schwer sich den ehemaligen Verlauf der Aare im Gelände vorzustellen. Für mich hat die Juragewässerkorrektur immer wieder eine spezielle Faszination – grosse Achtung vor diesem Grossprojekt unserer Vorfahren.

Erstaunt war ich ebenfalls über die Imkerkästen, aus denen die Bienenvölker, trotz kühlen Temperaturen, bereits kräftig ausfliegen. Nach der alten Holzbrücke bei Büren an der Aare geht es der Aare entlang bis zum Fischerhaus Grenchen, wo ich für einen kleinen Imbiss einkehre. Danach komme ich in der Witi in den offenen Rückenwind, der mich mit 35 km/h zurück nach Solothurn bläst.  

Zum Tourabschluss staune ich über dieses bibergemachte Denkmal. Ich gehe mal davon aus, dass der Baum schon abgesägt wurde während der Biber noch am Nagen war. Jedenfalls glaube ich nicht, dass der Baum in dieser Position noch hätte stehen können. Könnte mir vorstellen, dass das für den Biber ein gröberes Frusterlebnis war. 😉

Statistik: 48.3 km, ca. 453 Höhenmeter, Fahrzeit 2:42 h