Steve Potts lebt in einem Nationalpark, der Point Reyes National Seashore. So machte ich gestern noch einen kurzen Ausflug zum Point Reyes Lighthouse. Ähnlich wie in Monterey wurde der Nebel mit jeder Meile näher der Küste dichter. Beim Lighthouse konnte man kaum mehr die Hand vor den Augen sehen. Dafür war das Nebelhorn in seinem richtigen Umfeld. Die Stimmung hat mir gut gefallen und es war interessant zu hören, dass auch in Zeiten von GPS das Nebelhorn immer noch gebraucht wird.
Natürlich ist nun alles automatisiert und die alten Installationen zerfallen zusehends. Als Leuchtturm-Fan gefiel mir die Atmosphäre der rostigen Wärterhäuschen trotzdem. Spannend und anstrengend war auch die 300 stufige Treppe runter zum eigentlichen Leuchthaus, die bei Nichtnebel immer dem stürmischen Pazifikwind ausgesetzt ist. Bei guter Sicht hätte man die beinahe endlose, gerade Küste gegen Norden gesehen. Zudem scheint die Steilküste ein perfekter Punkt zu sein um migrierende Wale zu beobachten. Daraus wurde natürlich nichts.
Point Reyes hat eine alte und reiche Geschichte. Das schlecht unterhaltene Anfahrtssträsschen hat den Titel ‚Sir Francis Drake Boulevard‘. Der Weltumsegler hatte hier in einer Bucht in 1579 länger geankert. Die Ankerplätze an der US Westküste sind ja an einer Hand abzählbar. Weiterhin für mich unverständlich die Tatsache, dass man erst 1769 die Einfahrt in die Bucht von San Francisco entdeckte. Übrigens, die Anfahrt nach Point Reyes über den Highway No 1 via Golden Gate Bridge verlangt solide Fahrkünste und einen guten Magen. Die Strasse ist in einem teils sehr schlechten Zustand und kringelt sich endlos um den Mt. Tamalpais und die Küste.
Letztes Highlight des Nationalparks ist die San Andreas Falte. Die Halbinsel liegt auf der Pazifischen Platte und ist, deutlich sichtbar, mit einem tiefen Einschnitt von der amerikanischen Platte abgetrennt. Der Highway No 1 verläuft quasi genau auf der Grenze. Ziemlich eindrücklich wenn man sich vorstellt, dass sich die Halbinsel jährlich mit 5cm nach Norden bewegt. Wenig erstaunlich deshalb, dass die Insel beim grossen Erdbeben von 1906 ganze 6m nach Norden sprang. Steve ist ein mutiger Mensch…