Der Crozet Loop !

Es ist Sonntag, ich hatte einen Arbeitstag am Samstag und muss nun das Wochenende in Genf überbrücken, es ist 6°C, es hat geschneit und alles ist feucht… In die Decke einwickeln und weiterschlafen? Ich überwinde mich und sattle das Genius. Ich will erneut zur Höhenstrasse an der Crêt de la Neige, die sich heute tatsächlich im weissen Kleid präsentiert. Stilecht starte ich vor einer Cave in Satigny, die Rebberge präsentieren sich trotz dem miesem Wetter im hübschen, leicht verblichenen Herbstkleid.

Über die Grenze, nach Crozet (538m) und bei leichtem Nieselregen auf der ‚Route Forestière du Col de Crozet‘ bis hinauf zur Höhenstrasse beim Punkt 863. In einer Kehre überholt mich mit wuchtigem Tritt ein Radfahrer in Strassenkleidung auf einem alten Velo. Sowas nagt jeweils etwas am Ego, besonders an Tagen wie diesen, wo die Motivation schon aus Prinzip schwierig ist. 😉 Aber wer bei diesem Wetter so den Berg rauffährt macht das wohl schon seit Jahren.

Die Höhenstrasse entlang des Naturparkes der ‚Haute Chaine du Jura‘ macht dann Spass wie immer. Auf halber Strecke mache ich eine Pause und freue mich am heissen Tee aus der Thermosflasche und dem Blick hinunter nach Genf. Ich bin knapp unterhalb der Wolkengrenze und so ergibt sich eine interessante Stimmung. Obwohl ich nun die ganze Höhenstrasse in beide Richtungen gefahren bin, kann ich mich nicht für eine ‚bessere Richtung‘ entscheiden. Der rund 10 km lange Abschnitt zwischen Thoiry und Crozet hat wortwörtlich in beiden Richtungen seine  Höhen und Tiefen.

Ziemlich durchkühlt kehre ich via die Rebberge nach Satigny zurück, zufrieden die Tour gewagt zu haben.

Statistik: 34.8 km, ca. 638 Höhenmeter, Fahrzeit 2:16 h

Das Wochenende auf der Schynigen Platte !

Der Nebel liegt schwer über Solothurn während in den Alpen grandioses Herbstwetter herrscht. Das ist genau der richtige Zeitpunkt um einen All-Time Klassiker des Berner Oberlandes zu besuchen, die Schynige Platte. Ende Oktober kann da aus Erfahrung nichts schiefgehen. Ich war schon seit Ewigkeiten nicht mehr hier oben und beim letzten Versuch musste ich auf dem Faulhorn umkehren.

Im Takt mir den Wetterprognosen habe ich vor wenigen Tagen eines der letzten Zimmer ergattert. Für 139 CHF pro Person gibt es im Berghotel Schynige Platte das Doppelzimmer im Herbstangebot, die Bahnfahrt und ein 5-Gang Nachtessen sowie Frühstück inklusive. Das geht sehr in Ordnung, kostet das normale Bahnticket alleine 64 CHF. Wir haben das Zimmer 1: Sommerfrische, jedes Zimmer hat sein eigenes Thema. Die Dekoration ist rustikal und schön, wenn auch hart an der Grenze zum Historienkitsch. 😉 Dusche und Toiletten sind auf dem Flur, was bei so einer Aussicht und an einer solchen Lage nicht stört.

Obwohl wir früh Anreisen herrscht an der Talstation bei Wilderswil das nackte Parkchaos. Irgendwo im Industrieareal gibt es schliesslich einen Platz und damit einen kleinen Marsch zurück zur Bahn. Um dem Andrang gerecht zu werden, fährt die Bahn jeweils mit zwei Zügen im Doppelpack. Wir steigen im offenen Sommerwagen ein, was keine so tolle Idee war. Die Fahrt dauert über 50 min und trotz Sonne wird es mit jedem Höhenmeter etwas kälter – auf der Schynigen Platte (1967m) angekommen sind wir erst mal durchgefroren!

Zimmerbezug und raus auf die Hotelterrasse. Das Restaurant ist modern umgebaut mit einer grossen Terrasse – sehr schön! Trotzdem gibt es hier gegen Mittag absolut keinen Platz. Wir kriegen schliesslich doch noch einen Tisch um etwas Kleines zu essen. Danach erkunden wir die nähere Umgebung mit einer kurzen Wanderung zum Aussichtspunkt Daube. Der Blick zum Thunersee – übers Interlaker Bödeli – zum Brienzersee, ist umwerfend. In der steil abfallenden Felswand sind mit etwas Geduld zahlreiche Gämsen auszumachen.

Wer sich dann um 180° dreht sieht das obige Panorama. Im Vordergrund das markante Gumihorn, links Oberberghorn und Loucherhorn, dahinter die Alpenkette mit Eiger-, Mönch und Jungfrau. Das macht irgendwie sprachlos und ich geniesse für längere Zeit auf einem der Holzbänkli die Szenerie. Linkerhand des Gumihorns geht es auf einem Wanderweg zurück ins Hotel.

Mit Glück kann ich einen Platz auf der Terrasse ergattern und die Sonne wärmt nun dank wenig Wind gut auf. Langsam werden die Farben milder und das Panorama nur noch schöner. Die Tagestouristen fahren schubweise ins Tal und als sich die Reihen lichten, schalte ich zusammen mit meiner Frau mit einer Flasche Weisswein und einer Zigarre in den Geniessermodus.

Die Schynige Platte gehört den Jungfrau Bergbahnen und entsprechend herrscht hier am Tag das totale Alpendisneyland mit Swiss Flower Trail, Alphornbläsern, Panorama Trail, Fotopoint und der Kuh Lily als Maskottchen. Grandiose Berge reichen heute den (asiatischen) Touristen schon lange nicht mehr als Argument um auf einen Berg zu fahren. Umso grösser der Kontrast, wenn die letzte Bahn talwärts fährt und auf dem Berg die Ruhe einkehrt.

Gerne lasse ich die Bilder des Sonnenuntergangs wirken. Rechtzeitig zum Nachtessen geht die Sonne unter und wir kriegen im warmen Restaurant ein gutes Menü serviert. Überhaupt ist die Küche für ein Berghotel sehr gut (wenn auch nicht günstig) – am Nachmittag haben es mir besonders die frischen Kuchen auf dem Buffet angetan. Heute fällt die aufgeräumte Stimmung beim Personal auf, welches nach einer langen Sommersaison nun seinen zweitletzten Arbeitstag hat. Bergluft macht müde und so gehen wir relativ früh ins Bett.

Ich stelle den Wecker und bin rechtzeitig zum Sonnenaufgang hinter dem Hotel auf dem Berg. Es ist frisch und es dauert bis sich die Sonne milchigweiss über die Berge kämpft. Na Ja, es gibt schönere Sonnenaufgänge. Umso besser ist dafür das Frühstücksbuffet. Einziger Nachteil – um 0900 Uhr ist mit der Ankunft der ersten Tagesgäste bereits wieder Schluss mit Frühstücken.

Wir deponieren das Gepäck und machen eine Wanderrunde. Auf dem Panoramatrail gehen wir hinüber zum Oberberghorn. Der Weg ist fast kinderwagentauglich, was angesichts der Ausrüstung so mancher Touristen eine gute Idee ist. Auf dem Grat unterhalb des Horns sieht man bereits wieder wunderbar über den Brienzersee und hinunter nach Interlaken.

Wer noch ein kleines Abenteuer sucht, klettert auf den Gipfel des Oberberghorns. Die obersten Passagen werden mit Holztreppen überwunden und wer etwas Höhenangst hat, kann sich an Drahtseilen halten. Alles kein Problem! Im zerklüfteten Fels gibt es einige höhlenartige Spalten mit Panoramaausblicken in alle Himmelsrichtungen – ideale Fotosujets.

Obwohl heute der Himmel etwas weniger klar als gestern ist, hat das Panorama nichts an seiner Wirkung verloren. Immer und immer wieder zieht es den Blick zu Eiger, Mönch und Jungfrau. Und ebenfalls immer wieder fasziniert die Farbe des Brienzersees.

Die Wanderrunde ist wörtlich zu nehmen, führt doch ein gepflegter Weg wieder zurück in Richtung Bergstation. Seit Jahrzehnten eine Attraktion ist der Alpengarten, den man keinesfalls verpassen sollte. Ende Oktober lässt sich die Artenvielfalt der alpinen Botanik natürlich nur noch erahnen. Das Personal ist damit beschäftigt den Garten wintersicher zu machen und hat alle Beschriftungen bereits abmontiert. Nun ja, ein Grund um im Frühling bzw Frühsommer zurückzukehren.

Wir holen unser Gepäck und laufen runter zur Bergstation, vorbei an der namensgebenden Felsplatte direkt neben dem Berghotel. Es ist diese Felsplatte, welche besonders bei feuchten Verhältnissen von der Abendsonne angestrahlt weit ins Land schien – deshalb die schynige Platte. Bei der Talfahrt sind wir klüger und sitzen in einem geschlossenen und geheizten Wagen.

Die Fahrt mit der historischen Zahnradbahn ist für sich selber ein Erlebnis. Unglaublich wie die Technik von 1893 seit weit über hundert Jahren mit entsprechender Wartung relativ problemlos ihren Dienst verrichtet. So fährt die Bahn beispielsweise immer noch auf den originalen Zahnstangen.

Fazit: Genau so muss ein Season-End sein! Manchmal muss man einfach auf den richtigen Tag warten. Die Schynige Platte ist natürlich sowieso ein ‚einmal-im-Leben-muss-man-dort-gewesen-sein‘-Spot, aber die Übernachtung lohnt sich ganz besonders, weil man nur so dem Touristenrummel kurz entfliehen und die Berge in Ruhe geniessen kann.

Biken ist schön – wenn man es tut !

Hier ein kleiner Shame Beitrag. Im Moment arbeite ich meine Ausfahrten aus dem letzten Jahr im Blog auf und zwischen dem 1. August und dem hier verbloggten 14. Oktober 2019 war ich genau kein einziges Mal auf dem Mountainbike… und das lag nicht am schlechten Wetter im letzten Sommer. 

Beruflich gab es einen kleinen Wechsel, immer noch in Genf, aber ich bin abends nicht mehr in der Stadt, sondern in Satigny unterwegs, meinem neuen temporären Heimatort unter der Woche. Endlich schaffte ich es, auf einer kurzen Feierabendrunde, die nähere Umgebung zu erkunden und musste feststellen, dass ich unverhofft im wunderbaren Herbst gelandet bin.

Erst durch die Reben und danach über L’Allondon nach Frankreich, entlang der D884, durchs Shoppingcenter bei Thoiry und zurück in die Schweiz, dies auf einem kurzen aber guten Singletrail runter nach Les Granges. Weiter geht es hinauf nach Les Baillets und zurück in die Genfer Reben.

Die warme Herbstsonne ist nicht nur auf den Bildern mild, sondern die Temperatur beträgt Mitte Oktober tatsächlich um die 25°C. Der Wald, die Reben und die Landschaft leuchten in tollen Herbstfarben – es ist ein Genuss! Das sind wohl die entscheidenden Tage, die beim Weinjahrgang zwischen mässig, gut und sehr gut unterscheiden.

Was soll ich sagen, ich habe das Mountainbiken wirklich vermisst. Trotzdem wird das Jahr 2019 mindestens kilometermässig ein klarer Abschreiber, ist dies doch die viertletzte Tour des Jahres. Da helfen auch keine zurückdatierten guten Vorsätze mehr. 😉

Mountainbiken im Vallée du Trient !

Hier noch die obligatorische Einstiegsseite zu meinen vergangenen und künftigen Mountainbike – Abenteuern im Vallée du Trient. Wie die Berichte gezeigt haben, gibt es hier einiges zu entdecken, obwohl das Tal nicht zu den Top Spots im Wallis gehört.

Aus touristischer Sicht ist man trotzdem auf Zack und ein Blick auf die Webseite der Region lohnt sich in jedem Fall. Besonders gefallen haben mir die zahlreichen Schautafeln entlang der Wege, die immer wieder interessante Informationen zum kulturellen und historischen Hintergrund der Region darstellen. Es lohnt sich sehr sich die Zeit zu nehmen und die Tafeln zu lesen.

Als Unterkunft kann ich das B&B Rêves Gourmands in Vernayaz absolut empfehlen (auch weil es wegen dem geschlossenen Hotel und Camping in der Nähe der Pissevache gar keine Alternative gibt). 😉 Die Besitzer sind sehr gastfreundlich und am Morgen sitzt man gemeinsam am reichhaltigen Frühstückstisch. Zudem besteht die Möglichkeit am Abend auf Vorbestellung an der gemeinsamen ‚Tafel‘ zu essen. Die Zimmer sind thematisch gemütlich und ideenreich eingerichtet. Daumen hoch!

Hier noch die Tourübersicht, jeweils bebildert mit einem ‚überzähligen‘ Panoramabild:

Die Route des Diligences – Vallée du Trient !

Zum Lac du Vieux Emosson !

Die Tour zum Lac de Salanfe und seinen Minen !

Der Col du Jorat !

2023 in der gleichen Region:

Der Vollständigkeit halber – Touren auf der anderen Talseite:

Der Col du Jorat !

Es hat Vorteile die Col du Jorat Tour nicht an einem Tag zu fahren! Zum Beispiel um auf der Terrasse der Auberge die Ruhe, die kristallklare Luft und den spiegelglatten Lac de Salanfe zu geniessen. Das entschädigt für die unruhige Nacht im Massenlager. Nach einem guten Frühstück und etwas Aufwärmen habe ich Betriebstemperatur für den Kaltstart. Ab der Auberge (1952m) geht es direkt rauf auf dem Col du Jorat (2212m).

Die ersten Meter nach Saut Peca sind etwas ruppig. Danach geht der Feldweg in einen relativ gut fahrbaren Karr- und Wanderweg über. Dabei ist viel mehr fahrbar als ich vermutete. Natürlich macht es einen gewaltigen Unterschied, ob man diesen Abschnitt mit frischen oder mit müden Beinen macht. Immer wieder halte ich an und geniesse die wunderbare Spiegelung der Dents du Midi im Lac de Salanfe.

Morgens um neun Uhr bin ich auf dem Col du Jorat alleine unterwegs. In jedem Fall lässt sich die Murmelifamilie vom Mountainbiker nicht stören. Ich nehme etwas Abstand und warte bis sich die Jungtiere wieder aus der Höhle wagen und vorsichtig die Gegend erkunden. Dabei lassen sie mich mit der Kamera ziemlich nahe ran.

Es sind genau diese Momente, die ich an den Bergen so sehr schätze. Kein Wunder steht hier ein verwittertes Holzkreuz – selbst wenig spirituelle Menschen regen Natur und Landschaft an solchen Orten und Tagen zum Nachdenken und ‚in sich gehen‘ an. Genug geträumt, die Abfahrt wartet.

Der Singletrail runter nach Jorat d’en Bas ist mal schottrig, mal steinig, später wiesig und oft murmelbahnbässig ausgebaut. Zur Linken ragen die Felstürme der ‚Rochers des Gagneries‘ auf mit dem Felssporn ‚La Vierge‘, der für Kletterer gefühlt sehr interessant sein dürfte. Beim Punkt 1652 würde die Route nun via Plan Sapin – Cocorié weitergehen und danach in der direkten Linie nach Evionnaz abfahren.

Nachdem was man so über die Tour im Internet liest, ist das wohl nichts für meine Fahrkünste und so fahre ich auf dem steilen Schotterweg runter ins Tal (siehe auch eine Alternative bei Rotscher). Beim Pt 1030 packt mich doch der Ehrgeiz und ich versuche den direkten Weg – Blöde Idee, es ist einfach nur brutal steil und ich schiebe und falle mehr als ich fahre. Bei der nächsten Gelegenheit nehme ich wieder die Strasse und vernichte die restlichen Höhenmeter nach Evionnaz (448m).

Nun Ja, andere Abfahrten mögen anspruchsvoller sein als meine Variante und ehrlich gesagt muss man dafür auch nicht auf den Col du Jorat fahren. Trotzdem stimmt das Gesamtpaket dieser Tour, alleine schon wegen der Herausforderung des Aufstieges im Vallon de Van und dann ganz bestimmt wegen dem Talkessel des Lac de Salanfe.

Zum Abschied grüsst nochmals die Salanfe in Form der Cascade de Pissevache und bald bin ich wieder beim Auto und auf der Autofahrt zurück nach Hause – es wartet der 1. August!

Leaflet | Data © OpenStreetMap contributors, Maps © OpenStreetMap contributors, CC-BY-SA, Imagery © Mapbox

Statistik: 21.9 km, ca. 282 Höhenmeter, Fahrzeit 1:40 h, ca 1741 Höhenmeter abwärts